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Anmerkungen zum Flucht-Tagebuch

Auf dieser Webpage bringe ich Anmerkungen zum Flucht-Tagebuch.

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Inhalt

20.01.1945   Der Tag vor dem Fluchtbeginn
21.01.1945   Die Flucht begann am Sonntag
21.01.1945 (2)   Peter Goreci
22.01.1945   18.2.1918
22.01.1945 (2)   Wiesenthal

22.01.1945 (3)   6 Schlitten
23.01.1945   hellster Mondschein
24.01.1945   auf die Bahn gesetzt
25.01.1945   Alkoholika
25.01.1945 (2)   Baldau

20.02.1945   Bomben auf Bütow
20.02.1945 (2)   NSV
21.02.1945   Hilde
21.02.1945 (2)   14 Personen
22.02.1945   Lora

23.02.1945   Ein einmaliger Berg
28.02.1945   Alles in Ordnung
28.02.1945 (2)   Ortsbauernführer
28.02.1945 (3)   Löpener Großmutter
01.03.1945   Iffland

04.03.1945   Die Überquerung der Oder
05.03.1945   Massenquartier
07.03.1945   Maschbefehl
11.03.1945   Neustadt, Westpreußen
12.03.1945   Tante Gertrud

14.03.1945   Schwiegermutter
15.03.1945   Röbel
15.03.1945 (2)   Klubsessel
15.03.1945 (3)   ihre Franzosen
17.03.1945   Mecklenburg

18.03.1945   Ortsgruppenleiter
19.03.1945   Kreisleitung und Kreisleiter
21.03.1945   Jetzt sind wir in England
22.03.1945   Generalstabskarte
26.03.1945   Ortsbauernführer und Kreisleiter aus Mohrungen

28.03.1945   Die Reichsstraße Nr. 1
29.03.1945   Von Farmsen bis Bad Salzdetfurth
31.03.1945   Frl. Strewe
10.04.1945   Jochen Kühne
13.04.1945   Roosevelt

13.04.1945 (2)   RM
19.04.1945   Ortsbauernführer Meier
25.04.1945   Marlies Schneider
12.05.1945   Ernst Höfel
13.05.1945   Herr Sterner

07.08.1945   Wrisbergholzen
09.10.1945   Unter russischer Besatzung
24.10.1945   Kessel Danzig-Marienburg
17.01.1946   Butter
01.02.1946   Seubersdorf

01.02.1946 (2)   Reinhold
10.11.1946   Kindergottesdienst

 

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Anmerkung zum 20.01.1945 Der Tag vor dem Fluchtbeginn

Ich bringe erst einmal ein Dokument.

2031

Meine Mutter schreibt am 01.02.1946:

Eduard Klautke und Albert Grünhagel aus Kranthau sind von den Russen verschleppt; im Auto abgeholt, mit dem Auto in der Reichauer Gegend schon gegen ein Haus oder Baum gefahren, mit mehrmals gebrochenen Knochen liegen geblieben. Dieses hat Reinhold nicht selbst gesehen, sondern andere, die es gesehen, haben es ihm erzählt.

Die Unterschrift auf dem Dokument ist Klautke. Und dieser Klautke ist auch der, über den meine Mutter schreibt. Und diese Übereinstimmung stimmt auch mit meiner Erinnerung überein.

Der Stempel mit dem Hakenkreuz, neben der Unterschrift, ist somit wohl einer der letzten hoheitlichen Aktivitäten dieses Mannes gewesen.

Wenn ich nun herausfinden will, um welche Tageszeit diese Unterschrift geleistet wurde, könnte ich auf ein anderes Dokument zurückgreifen, das eine "Abmeldung" ist und offensichtlich den selben Stempel hat, wo das Hakenkreuz sogar noch besser erkennbar ist, nur nicht von Klautke unterschrieben ist, sondern von "I.A. Bruno Mattern" und das ist mein Onkel, der jüngste Bruder meiner Mutter. Und das Datum ist auch dort der 20. Januar 1945.

Dies zweite Papier hat auch eine ganz andere Handschrift.

Wie nun mein Onkel an diesen Stempel gekommen ist, kann ich nur vermuten und darüber spekulieren. Er stammte zwar aus Kranthau, wohnte aber in Potsdam, und war Soldat, und war sicherlich gut im Organisieren.

Die aufgeführten Personen sind die gleichen, nur daß bei dem zweiten Dokument auch Irene Preuß aufgeführt ist und daß die Abmeldung auch angibt, daß diese Personen "verziehen nach Potsdam, York-Str. 11".

Daß meine Schwester Irene auf dem einen Dokument erscheint, aber nicht auf dem anderen, könnte damit zusammenhängen, daß sie im Mohrunger Krankenhaus für eine Blinddarmoperation vorgesehen war. Ich habe Irene einmal, so etwa ein halbes Jahrhundert danach, gefragt, was denn mit ihrem Blinddarm danach geschehen sei, und sie sagte so etwa, der wäre dann kein Problem mehr gewesen. Vielleicht hat die Dringlichkeit dafür gesorgt, daß sich die Sorge um den Blinddarm verflüchtigte.

Dieser Umzug nach Potsdam, per Bahn, war wohl geplant gewesen. Die Großmutter und die Kinder sollten in Sicherheit gebracht werden. Nur verschlechterte sich die militärische Lage derart schnell, daß umgeplant wurde.

Und vielleicht sollte das zweite Papier dafür sorgen, daß alles rechtmäßig zuging. Meine Mutter konnte auf dem Papier nicht erscheinen, denn das war verboten, nicht so sehr das Schreiben, sondern das Aufgeben von jedem Quadratmeter deutschen Bodens. Dieses Verbot wurde einen Tag später aufgehoben, einen Tag nach dem 21. Januar 1945, am 22., oder besser, durch einen neuen Befehl ersetzt, einen Fluchtbefehl. Aber da waren wir schon weg.

Großmutter und die Kinder nach Potsdam zu schicken, hatte natürlich den Nachteil, daß die Familie aufgeteilt wurde. Als die Zuspitzung der militärischen Lage dann den Beschluß brachte, daß alle sofort flüchteten, blieb man deshalb zusammen.

Georg Neumann schreibt, daß Bruno Mattern am Freitag, den 19.01.1945, ihn und seine Mutter in Marienburg besuchte. Er kam von Kranthau und wollte weiter nach Potsdam. Dort in Marienburg erhielt er die Information von der kritischen Lage an der Front im südlichen Ostpreußen, hörte sich die nächsten Rundfunknachrichten an und entschloß sich, nicht nach Potsdam, sondern nach Kranthau zurück zu fahren und die sofortige Flucht zu organisieren. Georg begleitete ihn.

"Am Abend fuhren Onkel Bruno und ich mit einem fahrplanmäßigen Zug (laut Kursbuchnachdruck von 1941 könnte es 19:45 Uhr gewesen sein) nach Horn und gingen durch tiefen Schnee nach Kranthau. Der Zug war mit Militär überfüllt und fuhr vollständig verdunkelt."

Am Sonnabend, den 20.01.1945 früh morgens ließ sich Onkel Bruno ein Pferd geben und ritt nach Reichau. Dies war also der Tag, an dem die beiden Dokumente geschrieben wurden. Onkel Bruno ist dann wohl gleich von Reichau nach Kranthau zurückgeritten und hat den Rest des Tages zu allerlei Aktivitäten benutzt.

Das Eisenbahnsystem funktionierte also am 19.01.1945 noch ganz normal. Und genau so am 20.01.1945. Erst im Laufe des Tages des 21. Januars begannen die Probleme und wir, einschließlich der Mutter, hätten am 20. einfach einen Zug besteigen können und wären in wenigen Stunden in Bad Salzdetfurth angekommen und hätten nicht durch all die wochenlang dauernden Anstrengungen und Gefahren gehen müssen.

Es folgt eine Karte Ostbahn:

Ostbahn

Warum wurde das nicht gemacht?

War der Grund die Unwilligkeit, sich von vielen materiellen Dingen trennen zu müssen?

Georg Neumann beschreibt die Situation bezüglich der Reisekontrollen so in dem Bericht über den letzten Teil seiner Flucht - von Elly Matterns Wohnung in Potsdam nach Bad Salzdetfurth:

Am Freitag, den 09.02.1945 etwa um 3 Uhr morgens fuhren wir mit der S-Bahn nach Berlin hinein. Unser Zug sollte vom Potsdamer Bahnhof in Berlin abfahren. Da es in den Stunden vorher Luftangriffe gegeben hatte, konnte man nicht ganz sicher sein, ob es klappen würde, und tatsächlich mußten wir auf dem letzten Stück zum Bahnhof durch rauchende Trümmer hindurchgehen. Der Zug fuhr planmäßig in den frühen Morgenstunden ab. Unsere Sorge richtete sich nun auf Personenkontrollen durch die NSDAP-Organe, denn aufgrund der geltenden Rechtslage hätte Tante Elly mit Monika den Raum Berlin nicht verlassen dürfen. Es war schon Glücksache, daß sie überhaupt eine Bahnfahrkarte bekommen hatte. Es fand aber keine Kontrolle statt.

Die Familie war also zum Teil vorbereitet auf die Flucht, war aber den gegebenen Zwängen ausgesetzt, und so ist das denn, wenn man in eine Diktatur hineinschlittert und sich nicht gleich von Anfang an distanziert, am Besten sich davon absetzt, irgend wo anders hin.

Mit dem Teufel macht man keine Geschäfte, im Gegenteil, man widersteht ihm. Man leistet ihm Widerstand.

Warum sind meine Eltern in eine Diktatur hineingeschlittert?

Als mein Großvater starb, übernahm meine Mutter den Betrieb und damit viel Verantwortung, auch zum Beispiel ihrer Mutter gegenüber und deren anderen 9 Kindern. Ihre Mutter hatte damals noch Kinder, die noch zur Schule gingen. Die drei jüngsten Kinder waren im schulpflichtigen Alter. Die jüngste Schwester meiner Mutter war erst 8 Jahre alt. Das Verantwortungsbewußtsein gegenüber der Familie und dem Familienbetrieb war sicherlich die treibende Kraft und sich Schulden aufzuladen, spielte wohl eine weniger wichtige Rolle.

Aber das Wesentliche war, daß sie sich Schulden gegenüber diesen Personen aufhalste. Sie wurde zur Sklavin. Der Schuldner ist seines Gläubigers Knecht, Sprichwörter 22,7. Und Römer 13,8: Bleibt niemand etwas schuldig.

5. Mose 28,44: Er wird dir leihen, du aber wirst ihm nicht leihen; er wird das Haupt sein, und du wirst der Schwanz sein.

Als mein Vater meine Mutter heiratet, halste er sich damit auch Schulden auf. Er brachte zwar Geld in die Ehe, aber damit wurden nicht die Schulden, oder nicht alle Schulden bezahlt.

Mein Vater hätte 1933 oder danach einfach nach Amerika zurückkehren können, er benötigte nicht einmal ein Visa, da er einen amerikanischen Paß hatte. Aber nun war er gebunden, durch die Ehe und durch Schulden. Und dann benötigte er auch die Zustimmung seiner Ehefrau, und das waren sicherlich auch nicht die einzigsten Hindernisse.

Meine Eltern hätten auch den Besitz verkaufen können und so sich von allen Schulden befreien.

Das war es, was manchmal klar fehlte in meiner Familie, eine direkte Kenntnis der heiligen Schrift und ihre praktische Anwendung. Und das wurde auch noch von ihrer Sekte, der sie angehörten, der evangelisch-lutherischen Kirche voll unterstützt, denn diese Konfessionen sind rein weltliche Organisationen, die das Religiöse vorgeben zu vertreten, aber immer den Gott dieser Welt und seine Prizipien repräsentieren, und deren Führer selbst am meisten gegen die Prinzipien des Wortes Gottes verstoßen und ein rein weltliches Leben leben.

Ein wirklicher Christ würde es unter allen Umständen vermeiden, sich Schulden aufzubürden, denn das ist ein klares Zeichen, daß er hinter der Materie her ist. Nur ein Dieb ist noch schlimmer dran, dem seine Gier nach physikalischen Dingen ihn zum Verbrecher macht.

Aber noch schlimmer dran ist ein Räuber, und ganz schlimm sind die ganz großen Räuber wie Stalin und Hitler, die alles unter ihre Kontrolle bringen wollen.

Für all diese Leute ist die Materie das, was sie anstreben, und je mehr sie es tun, je weiter entfernen sie sich vom wirklichen Ziel, von der Materie wegzukommen und nur noch geistige Werte und Fähigkeiten anzustreben.

Und so ist es auch zu verstehen, daß meine Eltern nach dem Krieg sich wieder, völlig unnötigerweise, Schulden aufluden, die ja angeblich so günstig waren, und ein Grundstück kauften und eine "Nebenerwerbssiedlung" darauf bauten. Sie meinten wohl, dann nicht mehr zur Miete wohnen zu müssen und freier zu sein und wurden dadurch aber nur zu Sklaven. Deutschland fing nach der Währungsreform an, sich zum reichsten Land der Erde zu entwickeln, und meine Eltern, anstatt diesen Aufschwung voll zu nutzen, vergeudeten Teile ihrer Energie in dieses Bauvorhaben.

Als das Haus fertig war, war die älteste Tochter bereits 17 Jahre alt, und die Kinder fingen bald an, aus dem Haus zu gehen, und je älter die Eltern wurden, je mehr wurde das Haus zu einer Bürde und als die Mutter dann allein war, mußte sie ausziehen. Die Großfamilie gab es seit der Flucht nicht mehr, weil es den Hof und den landwirtschaftlichen Betrieb nicht mehr gab, der zumindest ein Kind Zuhause hielt.

Da gibt es aber etwas Wesentlicheres und das ist die Ausreifung der Seele. Und das was meine Eltern, und besonders auch ich selbst, in dieser Zeit erlebt haben, ist viel wertvoller und hat viel mehr dazu beigetragen, geistig zu wachsen und den Widerstandswillen zu stärken, als in Freiheit und Wohlstand zu leben. Gerade dieses immer wieder aus höchster Gefahr gerettet zu werden, ist ein Erleben, das einem in Erinnerung bleibt und für die Zukunft vorbereitet.

Dieser Bericht meiner Mutter vom 1. Februar 1946 ist wohl auch eine Vereinfachung. Ich kann mich an viel mehr, grausamere, Einzelheiten erinnern.

Wenn es die Geschichte gibt, daß eine politisch aktive Person durch einen Autounfall ums Leben kam, kann man ja auch annehmen, daß dieser Autounfall auch eine Geschichte oder ein Märchen ist, so wie bei Erwin Rommel.

Und um George Patton gibt es ja auch eine Menge Gerüchte.

Ich bringe jetzt einmal, zum Vergleich, zwei Stellen aus dem Werk meiner Schwester Ellinor, "Dokumentation über Kranthau im Kreis Mohrungen/Ostpr.," 1985.

Auf Seite 139: Klautke, Eduard, x 14.12.1904 i.Kranthau, Nr.8), Bauer, Bürgermeister 1931-1945, + 2.1945 i.Reichau, umgekom.dch.russ.Panzer

Auf Seite 150: Wehran: Der letzte Bürgermeister von Kranthau war Eduard Klautke. Eduard Klautke und Albert Grünhagel wurden auf ihrer Flucht bei Reichau von einem Panzer überrollt.

 

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Anmerkung zum 21.01.1945 Die Flucht begann am Sonntag

Hier berichtet meine Mutter folgendes:

Die Flucht begann am Sonntag, den 21. Januar 1945 um 10 Uhr vormittags von unserem Heimatdorf Kranthau, Post Horn, Kreis Mohrungen/Ostpreußen.

Ein Arbeitswagen mit Dach aus Planen, beladen mit nur den allernötigsten Kleidungsstücken, Nahrung und Betten, Wolldecken, Pelzen und sehr reichlich Hafer und Kleeheu für die 3 Pferde.

Da bei dieser Gelegenheit kein Fotograf zur Verfügung stand und die denkwürdige Situation aufnahm, bringe ich hier einmal ein Foto, das es erlaubt, sich die Situation vorzustellen.

2032

Von links:
Ellinor Preuß
Wilhelmine Mattern, geb. Weiß
Walter Preuß
Irene Preuß
Lina Preuß, geb. Mattern
Frank-Leopold Preuß
Lora

Ich bringe erst einmal das, was auf diesem Foto anders ist. Es ist das Jahr 1941 und nicht das Jahr 1945. Es ist eine Kutsche, und nicht ein mit einem Dach versehener Arbeitswagen. Der Vater ist auf dem Bild, er war es nicht im Jahr 1945. Die Bekleidung der Personen ist wahrscheinlich nicht die des Jahres 1945.

Aber das war es auch schon.

Von links nach rechts: Ellinor, Großmutter, Vater, Irene, Mutter, Frank-Leopold, Lora.

Lora war also auch wieder 1945 dabei, außerdem Putti und Pierrot.

Hinter Lora einer der Ställe und hinter uns die Scheune und zwischen den beiden Gebäuden der Weg zu Steckels Feld, der 1941 nicht genommen wurde, sondern der diagonal gegenüber, übers Dorf Kranthau, auf einem richtigen Weg. Der Weg über Steckels Feld wurde auch von Fußgängern benutzt, die, zum Beispiel, vom Bahnhof Horn kamen.

Das Jauchefaß, das auf auf einem Sand- oder Kies-Haufen schräg vor der Scheune lag, war Frank-Leopolds persönliches Eigentum. Er hatte es bei seiner Geburt, zwei Jahre vor dem Foto, von seinem Vater als Geburstagsgeschenk erhalten. Mein Vater liebte solche praktischen Geschenke, die er dann gut selber gebrauchen konnte. Ich aber war der stolze Eigentümer.

Als mein Vater noch nicht verheiratet war, kaufte er Schokolade oder etwas ähnliches und besuchte dann meine, zukünftige, Mutter. Das Problem war aber, daß bei seiner Ankunft nicht mehr viel von dem Geschenk übrig war, denn wie gesagt, mein Vater machte gern Geschenke, die er auch selber gut gebrauchen konnte.

Das Jauchefaß war also, wie man sehen kann, relativ neu, erst zwei Jahre alt, genau so neu wie ich, zwei Jahre alt.

Ich kann mich aber nicht daran erinnern, daß mein Vater mich je gefragt hat, ob er sich das Jauchefaß mal von mir ausborgen kann.

Von meinem Vater habe ich diese Eigenart vererbt bekommen. Auch ich gebe gern, was ich selbst gut gebrauchen kann - das Wort Gottes.

Am 21. Januar 1945 war dann aber das Meiste nicht viel anders. 1941 war es wahrscheinlich auch ein Sonntag.

Diese Situation, 1945, habe ich gut in Erinnerung. Und daß ich darüber besorgt war, daß meine Mutter, als wir schon losfahren wollten, noch einmal vom Wagen runterstieg, und ins Haus ging, um noch etwas zu holen. Ich meinte, wir sollten so schnell wie möglich weg.

Und dann war da noch Peter Goreci und, den Berichten von Georg Neumann zur Folge, auch Georg Neumann.

Bereit zur Abfahrt, oder Abritt, waren auch bei uns einquartierte Flüchtlingsfamilien, und Onkel Bruno Mattern, auf Pierrot.

Die weiße Mütze meines Vaters taucht auch auf einem anderen Familienfoto auf, vom 2.7.1939, also in besten Friedenszeiten, als er, und mehrere andere Personen, bei einem Betriebsausflug nach Kahlberg, auf der Frischen Nehrung, in Cadinen, hinter seiner damaligen Kutsche stand, einem schwarzen Mercedes 170 mit dem Nummernschild IC-12098?.

Der Betriebsausflug geschah mit drei Familien und deren Deputantenfamilien und in Cadinen wurde wohl gehalten und fotografiert und bis Tolkemit wurde mit 3 Autos gefahren und dann ging es per Dampfer nach Kahlberg auf die Nehrung. Ich war, glaube ich nicht dabei, blieb wohl mit Großmutter zuhause.

Unsere Deputantenfamilie war Kijewski. An diese Familie kann ich mich gut erinnern. Die jüngste Tochter Christel war meine beste Freundin. Wir haben ihre Mutter und sie nach dem Krieg in Bremen besucht.

Dieser Mercedes meines Vater wurde dann bald nach dem Beginn des Krieges zum Krieg eingezogen, zum Welterobern, und so wurde wieder die Kutsche benutzt, die ja noch in der Scheune stand.

Ich habe mir dann, in Erinnerung an die gute alte Zeit, als ersten Wagen auch einen Mercedes 170 gekauft, auch natürlich schwarz, nur war meiner, im Gegensatz zu dem meines Vaters, nicht neu, sondern uralt.

Der Mercedes meines Vaters war sein zweiter Wagen. Der erste war ein Ford, in Amerika, im Staat New York, wahrscheinlich auch uralt. Auch davon gab es ein Foto im Familienalbum.

Um die wirtschaftliche Situation in Amerika zu der in Deutschland zu vergleichen, sagte mein Vater, in Deutschland habe er als Gutsverwalter so viel verdient, daß er sich das Besohlen seiner Stiefel beim Schuhmacher leisten konnte und als Landarbeiter in Amerika habe er so viel verdient, daß er sich nach wenigen Monaten ein Auto leisten konnte.

Diese Sache mit dem Welterobern ist ja so ein Test. Ich finde es interessant, sich Systeme zu überlegen, die einer Entität die Gelegenheit geben, sich auszutoben, um getestet zu werden. Sie kann sich zum Beispiel wie ein Welteroberer benehmen und alle anderen unterdrücken, also erste sein wollen, oder sie kann sich so benehmen wie ein guter Nachbar, und Anderen nachbarliche Liebe entgegenbringen. Unser System hier auf dem Planet Erde ist dominiert bei den zwei Gegebenheiten von Raum und Zeit. Man kann auf einem Teil der Erde sein und dann kann kein anderer auf dem Stück der Erdoberfläche sein - Raum, er kann es nur dann, wenn der andere nicht mehr dort ist - Zeit. Es sei denn, er ist erster, ist also so etwas, was Stalin und Hitler werden wollten, dann hat jeder zu weichen, räumlich und zeitlich. Und der Test ist dann einfach: was wird die Entität nun tun? Wird sie verstehen, wozu sie hier ist, und den Test bestehen, und somit von der Materie befreit werden, oder wird sie durchfallen, und somit den Test nicht bestehen, und nicht nur nicht von der Materie befreit werden, sondern selbst Ewigkeiten als härteste Materie in der Materie gefangengehalten werden?

Ein anderes System ist zum Beispiel der hypnagogische Zustand. Da kann eine andere Entität auf mich zukommen und braucht nicht anzuhalten, wenn sie mich erreicht hat, sondern geht direkt durch mich durch. Oder das System, das erlebt wird, wenn man außerkörperlich ist. Da kann eine Entität durch eine Wand gehen und braucht den Planeten Erde nicht auf der Oberfläche navigieren, sondern kann direkt durch ihn durch gehen, wie ein Neutrino.

Falls dies zu esoterisch klingt, nehme man elektromagnetische Wellen, etwas, was die Menschheit seit ein paar Jahrzehnten zu benutzen weiß. Da hat man eine Menge Dinge, die den gleichen Raum benutzen. Der Raum um uns herum ist angefüllt mit Dingen wie Radiosender, Fernsehsender, Mobilfunktelefondienste, Fernbedienungen, Polizeiradio, Bluetooth, drahtlose Tastaturen, drahtlose Mäuse, und aller möglicher Krimskram.

Und all diese elektromagnetischen Wellen befinden sich im gleichen Raum, zur gleichen Zeit, nehmen sich also nicht gegenseitig Platz weg.

Stalin hat ja nun in dieser Auseinandersetzung Erster sein zu wollen - bei der ich mich direkt zwischen ihren Armeen bewegte - den Längeren gezogen, mit der Hilfe seiner Freunde Roosevelt und Truman, und dann gab es ja mit den Freunden Kennedy und Johnson sogar einen Höhepunkt für dieses atheistische System, aber mit solchen Leuten wie Clinton und Obama wird dann der eigentliche Höhepunkt kommen, bis dann kurz vor dem Endsieg alles im Abgrund endet.

Und das ist dann die Zeit, daß, wieder aber schlimmer, außer den Randbedingungen von Zeit und Raum, noch die Randbindungen einer Diktatur hinzukommen. Und unter solchen harten Konditionen kann man dann wirklich herausfinden, was in einem drin steckt. Die Bibel nennt es die Scheidung der Schafe von den Böcken, Matthäus 25,31-33:

Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zu seiner Linken.

 

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Anmerkung zum 21.01.1945 (2) Peter Goreci

Siehe besondere Webpage Peter Goreci

 

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Anmerkung zum 22.01.1945 18.2.1918

Dieses Datum 18.2.1918 als Geburtstag meines Onkels Bruno Mattern ist nicht richtig. Er wurde 2 Jahre früher geboren, am 18.2.1916. Er war das zweitjüngste Kind meiner Großeltern. Das jüngste Kind war Edith, sie wurde im Jahr 1918 geboren, am 9.7.1918.

 

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Anmerkung zum 22.01.1945 (2) Wiesenthal

Hier berichtet meine Mutter folgendes: Später haben sie dieselben irgendwo abgesetzt, ich glaube in Wiesenthal.

Ich kann mich an Wiesenthal erinnern.

Ich glaube, wir wohnten in der möblierten Wohnung eines abwesenden Kapitäns und ich spielte mit oder um die Möbel herum und konnte mit denen nicht viel anfangen, da die Schubladen verschlossen waren.

Ich ging auch zur "Schule". Was das war, weiß ich nicht. Ich malte aber eine Kaffeekanne und das Gemälde war sehr gut. Ich kann das beurteilen, weil ich es selber geschaffen hatte.

In Wiesenthal gab es also eine Art Verschnaufpause nach dem Schock des plötzlichen Flucht-Beginns.

Hier jetzt ein paar Einzelheiten von den Teilnehmern:

Treck-Einzelheiten
Name des Trecks Ort des Flucht-beginns Name Geburts-datum Alter in Jah-ren Datum der Ankunft in Bad Salzdet-furth
Weiß Reichau Emma Weiß, geb. Mattern 23.03.1905 39 29.03.1945
Charlotte Weiß 21.10.1930 14
Regina Weiß 11.06.1942 2
Preuß Kranthau Wilhelmine Mattern, geb. Weiß 01.02.1872 72
Lina Preuß, geb. Mattern 21.04.1900 44
Ellinor Preuß 15.07.1933 11
Irene Preuß 29.01.1936 8
Frank-Leopld Preuß 03.03.1939 5
Peter Goreci
Gehrmann Löpen Richard Gehrmann 19.05.1889 55 nach dem 09.10.1945, im Oktober 1945
Grete Gehrmann, geb. Mattern 03.01.1899 46
Dorothea Gehrmann 13.05.1926 18 07.10.1945: siehe 09.10.1945
Löpener Großmutter siehe 28.02.1945 (3)
Hilde siehe 21.02.1945
Frau Hedwig Janzen, Richards Schwester, mit Kindern siehe 22.01.1945
Germanns Instfrau Kunkel siehe 24.01.1945

Von den drei Treks blieben die beiden aus Reichau und Kranthau zusammen; der aus Löpen blieb am 02.03.1945 in Düssin, kurz vor der Oder, östlich der Oder, zurück, da Gehrmann's zweite Stute gefohlt hatte.

Am 10.03.1945 trafen sich die drei Treks wieder, "zufällig", in Wesenberg, in Mecklenburg-Strelitz.

Am 17.03.1945 ist der Löpener Wallach krank und deshalb bleiben Gehrmanns wieder mal zurück, und zwar in Wredenhagen, in Mecklenburg-Schwerin.

Am 09.10.1945 gibt es die Information, daß Waltraut, Dorothee und Rudi am 07.10.1945 in Bad Salzdetfurth ankamen und daß Grete, Richard und Fredi noch im Kreis Seehausen geblieben sind.

Das ist also der Ort, wo wir am 21.03.1945 und am 22.03.1945 waren.

Und ist bereits westlich der Elbe, in Preußen, in der Provinz Sachsen.

Am 12.03.1945 gibt es die Information, daß am Freitag, 09.03.1945, Edith mit Tochter Helga und Traute von Potsdam nach Salzdetfurth gefahren sind.

Jetzt kommt ein Auszug aus einem Bericht von Waltraud Hilke, geb. Gehrmann, vom 25.05.1988. Traute wurde am 29.05.1923 geboren und war also zur Zeit der Flucht 21 Jahre alt.

Ab März Tante Trude Pelz als Wirtschafterin in Wargels bei Stuhm verteten, damit sie 8 Wochen kuren konnte. Nächste Stelle Thierbach bei Preußisch Holland. Im Herbst nach Limbsee gewechselt, bei Freistadt. Von dort mit Anhalter nach Potsdam, Tante Elly und Onkel Brunos Wohnung schon von Breslauern besetzt und am nächsten Tag kam Tante Edith Wasgindt mit Helga an. Kind aufgepäppelt, Oma Wasgindt beerdigt. Noch einmal nach Sanssouci in den Park, am Schloß waren die Fenster mit Brettern vernagelt.

Dann mit der Bahn nach Bad Salzdetfurth in Niedersachsen gefahren. Dort waren die Familien Weiß und Preuß, d.h. die Tanten, die Großmama und die Kinder eingetroffen.

Eines Tages erschien Dorothee dort und holte mich in die Altmark, wo die Eltern mit Pferd und Wagen liegen geblieben waren und die Großmutter in Wittstock an der Dosse im Altenheim geblieben war.

Einquartiert im Forsthaus Warthe sah ich die Eltern wieder – März 1945, die Brüder irgendwo – Manfred in Ludwigslust bei einer Kavallerieeinheit, den besuchten Dora und ich noch kurz vor Ostern dort. Von Rudi noch keine Nachricht, er war Luftwaffenhelfer geworden.

Zeit zwischen den Fronten – vom Westen die Amis, vom Osten die Russen, dazwischen die deutsche Armee. Feuergefechte, Artilleriebeschuß auch von den eigenen – das war nicht immer zu unterscheiden.

Amis kamen zuerst, im Forsthaus nur Frauen und Kinder, der Förster war stiften gegangen, Ortsgruppenleiter. Amis suchten ihn und stöberten mehrfach durchs Forsthaus – suchten auch Frauen und wir ziehen alle in den Wald in eine einfache Bretterbude aufs Stohlager.

Vater arbeitete im Dorf Lindenberg auf einem Hof, wo die letzten zwei Pferde untergestellt sind. Er fährt den Treckwagen auch in den Wald zu uns, damit er nicht noch geplündert wird. So hausen wir 14 Tage, werden öfter von amerikanischen Soldaten besucht, die im Wald auf alles schießen, was kreucht und fleucht: dem Vater aber auch die aufgebrochenen Rehe zeigen, von denen er dann die Lebern bringt, die wir auf dem offenen Feuer braten. Haben ein Lager mit Konserven gefunden und Wein, leider nur Kirschen und Apfelmus, aber das schmeckt zu den Eierkuchen, die wir im Wald backen.

Waffenstillstand am 9. April 1945. Wir ziehen ins Dorf Lindenberg auf Beneckes Hof und beginnen da zu wirtschaften.

Die Amis ziehen ab, es kommen Engländer und im Juli wird das Gebiet an die Russen übergeben. Russische Bäckerei auf dem Hof.

Mutter wird kränker und wir planen, vor dem Winter gen Westen zu gehen. Feiern am 21. September 1945 noch die Silberhochzeit der Eltern, alle Nachbarn schenken uns Lebensmittel und gratulieren. Mutter muß eines Nachts noch bei der Geburt eines Flüchtlingskindes helfen im Nachbarhause.

Dann fahren Dora, Rudi und ich eines Tages mit leichtem Gepäck mit der Bahn bis zur Zonengrenze bei Helmstedt, wandern mit anderen Scharen von Flüchtlingen im Morgengrauen durch den Wald bis zum russisch bewachten Schlagbaum, überrennen den, als er kurz geöffnet wird und laufen wie die Hasen, bis wir auf englisch bewachtem Gebiet sind. Werden dort eingesammelt und mit LKWs in ein Lager in einer alten Ziegelei gefahren, verpflegt, entlaust und befragt, wohin!

Wir erzählen, unsere Eltern wären im Westen und wir wollten zu ihnen. Bekommen Fahrscheine für die Bahn und Platz in überfüllten Bummelzügen, bis wir nachts in Lehrte aussteigen. Anderntags nach Hildesheim, zu Fuß zur Domäne Marienburg. Dort ist Tante Trudchen Wirtschafterin, empfängt uns, wir dürfen baden, bekommen zu essen und fahren mit Tommys nach Bad Salzdetfurth!

Zuerst zu Marie Luise Schneider, geb. Kienscherf (M-L. war zu Hause in Löpen Lehrling). Die Eltern kommen mit Fredy im Oktober nach.

Das Dorf Lindenberg liegt südlich von Pritzwalk, östlich von Perleberg, nordöstlich von Wittenberge und kann auf der Karte 5 gefunden werden.

Ich weiß nicht ob Gehrmanns mit Pferd und Wagen nach Bad Salzdetfurth gekommen sind.

In der obigen Tafel ist also die Ankunft von Dora am 09.10.1945 bereits die zweite Ankunft von Dora in Bad Salzdetfurth. Die erste Ankunft von Dora war also schon im März 1945 und war wahrscheinlich sogar vor unserer Ankunft am 29.03.1945, dem Gründonnerstag: "kurz vor Ostern". Und das wiederum könnte ein Grund sein, warum diese Ankunft nicht im Flucht-Tagebuch aufgezeichnet wurde, weil wir da noch gar nicht in Bad Salzdetfurth angekommen waren.

Aber dieser Bericht von Traute beschreibt recht gut den Unterschied der Erlebnisse. Wir waren zielstrebig bis nach Bad Salzdetfurth getrekt, hatten dann zwischen Mellin und Voize am 25.03.1945 den Schnittpunkt unserer Reise mit dem zukünftigen Eisernen Vorhang überschritten und damit das zukünftige West-Deutschland erreicht. Sie aber wurden noch von den Sowjet-Streitkräften eingeholt und mußten auch noch die Diktatur Stalins erleben.

Und die beiden Töchter, Traute und Dora, waren sogar schon im zukünftigen freien Westen angekommen, kehrten dann aber in das Gebiet zurück, das dann Sowjet-Deutschland wurde, und hatten dann noch das Erlebnis einer zweiten Diktatur.

Statt froh zu sein, daß einer Tochter die Flucht geglückt war, wurde sie zurückgeholt.

 

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Anmerkung zum 22.01.1945 (3) 6 Schlitten

Dort heißt es: "Gehrmanns fuhren ausserdem noch zwei schwerbeladene Arbeitswagen zweispännig, einen lenkte Richard, den andern Dorothee."

Das wird wohl die Situation gewesen sein, wie sie vor dem Schneefall geplant war, nach dem Umpacken auf Schlitten waren es dann 6 Schlitten. "Ab Löpen waren also auf unserm Familientreck 6 Schlitten: Je einen Preuß, Weiß, Schober und drei Gehrmann."

Das Umladen auf Schlitten reduzierte schon die Menge Besitz, die man mitnehmen wollte: "Wir waren noch lange nicht mit Umladen fertig, da hörten wir schon aus der Nähe Gewehrfeuer. Nun blieben außer Nahrungsmittel auch wertvolle Pelze und sonstige warme Sachen liegen. In größter Eile wurden die Pferde vor die Schlitten gespannt, schnell die Kinder warm eingepackt, abgefahren."

Und dann 2 Tage später, am 24.1.1945, heißt es dann: "In Kalthof blieben wir einfach liegen, es ging mit Schlitten nicht weiter."

Und dann: "Zwei Wagen, leider viel kleiner als unsere von Kranthau aus." Bei dieser Gelegenheit wurde also die die Größe der Fahrzeuge reduziert.

Es macht den Eindruck, als ob das Abgewöhnen der Sucht nach materiellem Besitz gefördert wurde.

Gehrmanns hatten 3 Schlitten, und auch diese Zahl der Fahrzeuge wurde dann noch weniger und reduzierte sich dann wohl ganz auf Null.

Aber die Lehren, die erteilt wurden, brachten nicht viel, oder nichts, denn nach der Flucht wurde wieder mit allem Eifer materieller Besitz angestrebt.

Ich habe das mit Interesse verfolgt, aber nicht mitgemacht.

Und diese Lektionen des Verlustes von materiellen Dingen während der Flucht waren ja noch recht gering im Vergleich mit dem Verlust des Bauernhofs und all den vielen Morgen Landeigentums.

 

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Anmerkung zum 23.01.1945 hellster Mondschein

Diese Beschreibung "hellster Mondschein" stimmt mit historischen Daten überein. Demnach war am 20. Januar 1945 das Erste Viertel, zunehmender Halbmond, und am 28. Januar 1945 Vollmond.

 

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Anmerkung zum 24.01.1945 auf die Bahn gesetzt

Dort steht der Satz: "Gehrmanns Instfrau Kunkel aus Löpen wurde in Marienburg auf die Bahn gesetzt und ein Schlitten von Gehrmanns abgehängt."

Diese Möglichkeit, jemand auf die Bahn zu setzen, hat es nicht nur in Marienburg gegeben. In Marienburg hätten sich wahrscheinlich alle Teilnehmer des Trecks auf die Bahn setzen können, ob das dann wirklich funktioniert hätte, ist eine andere Frage, aber auch zum Beispiel in Wiesenthal hätte man alles an der Bahnstation Schöneck auf die Bahn setzen können.

Das Problem scheint immer die Willigkeit, oder die Unwilligkeit gewesen zu sein, sich von materiellen Gütern zu trennen.

Wenn Frau Kunkel dort in Marienburg die Flucht gelungen ist, dann hat sie sich viel erspart. Und was war der Grund? Sie hatte wenig Gepäck, sie brauchte sich von keinem Besitz zu trennnen.

Die Bahnverbindung von Marienburg nach Westen gabe es wohl bis Anfang März 1945. Die Nogatbrücken wurden am 09.03.1945 gesprengt. Aber die Karte Die Eroberung Deutschlands 1945, 1 März 1945 deutet an, daß am 1. März 1945 das Gebiet westlich von Dirschau noch nicht rot war. Leben in Marienburg war ab dem 24.01.1945 sicherlich die Hölle, da es belagert wurde.

Mit dem Anfang der Belagerung ergab sich aber auch ein Ende des Zustroms von Flüchtenden, und somit auch ein Ende der Überbelastung des Bahnverkehrs von Marienburg weg in den Westen.

Die Belagerung Marienburgs geschah nur vom Osten, vom Westen her hatte Marienburg weiterhin Zugang und Abgang.

Eigentlich war Marienburg ein Brückenkopf, von dem die Wehrmacht einen Angriff hätte starten können.

Der Bahnhof von Marienburg mag nicht zu diesem Brückenkopf gehört haben. "Ende Februar 1945 gab es noch einmal eine Meldung aus Marienburg. Dort fand seit dem 27.01. ein Stellungskampf statt, der die Sowjetarmee daran hindern sollte, Nogat und Weichsel zu überschreiten. Der Brückenkopf umfaßte das Gebiet um die Burg, die drei Nogatbrücken und den Marktplatz. Dadurch war der Zugang vom Westen her möglich."

 

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Anmerkung zum 25.01.1945 Alkoholika

Da gibt es den Satz: Noch ein Zwischenfall soll nicht unerwähnt bleiben: An Schwester Edith's Hochzeit waren einige Flaschen Alkoholika übrig geblieben, wir nahmen sie mit.

Die Teilnehmer an dieser Hochzeit waren zu einem recht großen Teil auch die Menschen, deren Namen in dem Fluchttagebuch erscheinen, siehe Edith's Hochzeit - ein Bild von den Hochzeitsgästen. Die Hochzeit war 1941 gewesen. Das war also vor mehr als 3 Jahren gewesen. Und diese Flaschen waren immer noch da, waren also nicht aufgebraucht worden. Bei uns, nach der Flucht, wurde Alkohol nur bei solch besonderen Anlässen wie einer Hochzeit angeboten und getrunken, und nun ersehe ich aus dem Fluchttagbuch, daß es in Ostpreußen auch schon nicht üblich war bei uns, Alkohol zu trinken. Und nun fällt mir auch ein, daß ich negativ beeindruckt war, wenn ich bei einigen Verwandten von uns, Alkohol angeboten bekam, wenn ich dort zu Besuch war. Und wenn ich dann diese beiden Lebensangwohnheiten, die eine praktisch ohne Alkohol, und die anderer mit, mit einander vergleiche, dann drängt sich ganz einfach die Feststellung auf, daß ein Leben mit Alkohol schädlich ist und dazu führt, negative Lebenserfahrungen zu machen.

Schlechte Erfahrung zu machen, sollte man vermeiden, aber aus schlechten Erfahrungen, die andere machen, zu lernen, ist gut. Gerade bei Verwandten läßt sich so etwas gut beobachten, weil man sie vielleicht über mehr als ein halbes Dutzend Jahrzehnte kennt.

 

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Anmerkung zum 25.01.1945 Baldau

Ich hatte Schwierigkeiten, Baldau auf Karten zu finden und das lag daran, daß Baldau im Fluchttagebuch vor Dirschau genannt ist. Ich wußte, wo Dirschau ist, der Ort war mir durchaus bekannt und auch wo er war, aber nicht Baldau. Ich nahm also an, daß Baldau östlich von Dirschau ist, also auf der rechten Seite der Weichsel, und suchte ihn deshalb auch dort. Erst als ich dann Baldau fand, westlich der Weichsel und südlich von Dirschau, verstand ich eigentlich, was im Tagebuch beschrieben ist. Wir müssen also, nachdem wir die Weichsel überquert hatten, durch Dirschau gefahren sein, und dann nach Baldau, nach Süden, und dann nach Dirschau zurück und dann weiter nach Westen. Zwischen Dirschau und Wiesenthal sind keine Ortsnamen erwähnt, aber die Danziger Höhe. Nach Dirschau sind wir wohl in Richtung Westen gefahren und nicht nach Norden. Dies wird auch bestätigt durch eine Aussage am 27.01.1945, wo es heißt, "Endlich ein Wachtmeister. Richard fragte ihn und bog sofort rechts ein. Es ging nach Wiesenthal bei Lehmberg über Praust, Danziger-Land." Wir sind also nach Westen gefahren und dann nach Norden abgebogen. Und ich trieb einen ziemlichen Aufwand, um Baldau auf Karten zu finden, eben darum, weil ich die Folge der im Tagebuch beschriebenen Ereignisse nicht verstand. Dies ist ein Beispiel, warum ich mich auf dieser Website auch mit Karten beschäftige, ein anderes Beispiel ist die Lage des Ortes Reichenbach. Es war der Kreuzungspunkt des Trecks nach Westen von Löpen über Reichenbach nach Markushof, und der Panzer nach Norden von Miswalde über Reichenbach nach Hirschfeld. Erst als ich den Zusammenhang der Einzelheiten beim Bau dieser Website erkannte, wurde mir die Bedeutung des Ortes Reichenbach in meinem Leben bewußt.

 

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Anmerkung zum 20.02.1945 Bomben auf Bütow

Ich habe die Sache so in Erinnerung:

Wir waren auf dem Marktplatz und dabei, alles auszuspannen und eine Ruhepause einzulegen. Dann hat meine Mutter plötzlich die Parole ausgegeben, alles wieder anspannen, wir fahren weiter, und ist dabei auf großen Protest gestoßen, aber wie üblich, war es nicht so einfach, gegen meine Mutter anzukommen, und so haben sich die Anderen widersprüchlich gefügt. Nach einiger Zeit sind wir von einem Radfahrer überholt worden, der uns berichtete, daß Bütow angegriffen worden sei, mit allem was der Gegner hatte, Panzer, Kanonen, Flugzeuge. Und besonders der Marktplatz, wo wir uns aufgehalten hatten, sei ein Ort des Schreckens geworden, mit toten Menschen und Tieren übersät.

Für mich ist diese Geschichte immer ein Beispiel gewesen, wie man vom Geist der Wahrheit geleitet wird, und wie meine Mutter darauf richtig reagiert hat und gerettet wurde, und alle mit ihr.

 

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Anmerkung zum 20.02.1945 (2) NSV

NSV = NS-Volkswohlfahrt = National Sozialistische Volkswohlfahrt.

 

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Anmerkung zum 21.02.1945 Hilde

Das Flucht-Tagebuch sagt: Großmama und Hilde schlafen auf Wagen als Wache.

Als ich das Flucht-Tagebuch zum ersten mal las, war diese Hilde die einzige Person auf unserem Treck, an die ich mich nicht erinnern konnte und die mir auch nicht bekannt war. Ich bat meine Cousine Waltraud, ob sie weiß, wer das ist. In ihrem Brief vom 27. Mai 2005 schreibt sie mir:

Zu dem Mädchen Hilde auf der Flucht, sie war ein Lehrling meiner Mutter in Löpen und begleitete den Treck bis in die Altmark, dann versuchte sie Verwandte zu finden, meldete sich später in Salzdetf. und bat um ihr Tagebuch aus der Lehrzeit, dass Mutter mitnahm.

Unsere Grossmutter Henriette Gehrmann bzw. Kahrau, blieb in Wittstock in einem Pflegeheim, zwei ihrer Enkelinnen waren in der Nähe, sie verstarb da am 9.4.1945 und wurde beerdigt im Beisein der beiden Frauen, noch vor dem Einmarsch der Russen.

Dieses nur kurz vermerkt, ich suche mehr für Dich zusammen, ich war Deiner Mutter Lina sehr verbunden, sie war meine Patin. Mit Großmama hatte ich in Salzdetfurth noch gute Gespräche, sie war an unserer Hochzeit dabei, am 20.4.1948, schenkte uns einen handgebundenen Besen aus Pferdehaar, das vergisst man nicht, es sind die banalen Dinge oft, die erfreuen. Ich war auch an ihrem Sterbebett.

In meinem Bericht von 1988, ist das Geschehen auf der 5 wöchigen Flucht in Eis und Schnee ausgeklammert, ich habe es erst vor kurzem niedergeschrieben, da mein Tagebuch von damals gestohlen wurde. Eine Reihe über die "Kranthauer Hochzeiten" habe ich schon öfter in Frauengruppen gelesen.

Meine Cousine Waltraut Gehrmann war auf unserem Treck nicht dabei, nur ihre etwas jüngere Schwester Dorothea Gehrmann.

 

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Anmerkung zum 21.02.1945 (2) 14 Personen

Der letzte Satz dort ist: Wehrmacht lag da, ich schickte Irene mit großer grauer Kanne nach Erbsensuppe zum Abendbrot, schmeckte sehr gut und reichte für alle 14 Personen.

Diese 14 Personen waren, in diesem Stadium, 3 von Treck Weiß: Emma und Charlotte und Regina. Dann 6 vom Treck Preuß: Wilhelmine Mattern, Lina, Ellinor, Irene und Frank-Leopold Preuß und Peter Goreci. Und dann 5 vom Treck Gehrmann: Richard, Grete und Dora Gehrmann, und "Löpener Großmutter", siehe 28.02.1945, und Hilde.

 

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Anmerkung zum 22.02.1945 (2) Lora

Lora war unser bekanntestes und beliebtestes Pferd. Sie ist eine Stute und ist in voller Größe zu sehen bei der Anmerkung 21.01.1945 und da kann man auch ihren langen, breiten, weißen Streifen vorne auf dem Kopf sehen. Ich glaube, das wurde Blesse genannt. Lore erscheint auch auf mehreren anderen Familienfotos.

Lora hatte viele Fohlen. Die Stute Putti war eins davon, der Wallach Pierrot ein anderes. Das letzte Fohlen hatte sie in Bad Salzdetfurth und da mein Vater damals viel im Wald arbeitete und Holz fuhr, hat er diesem Fohlen wohl den Namen Waldmeister gegeben.

Lora wird im Fluchttagebuch 8 mal genannt, Putti vier mal und Pierrot 14 mal.

Der Waldmeister war eins von den beiden letzten Pferden, die mein Vater hatte. Das andere war die Stute Lady. Sie wird im Fluchttagebuch am 10.11.1946 (2) genannt.

Der Waldmeister und die Lady, der Waldmeister war ein hell-braunes Pferd und die Lady ein dunkel-braunes, spielten damals eine recht große Rolle in meinem Leben, da ich viel mit ihnen zu tun hatte.

Da gab es Pferde zu hüten - im Wald, der Stall mußte ausgemistet werden, die Pferde mußten gefüttert und getränkt werden, beim Arbeiten im Feld, wie pflügen oder Kartoffelfelder anhäufeln. Ich kann mich daran erinnern, daß mein Vater mit einem Pferd Baumstämme aus dem Wald auf den Waldweg geschleppt hat und ich mit dem anderen.

Die Pferde waren sozusagen der Mittelpunkt des Familienbetriebes, der aus Landwirtschaft und Fuhrunternehmen bestand. Ihr Wohl wurde etwa genau so beachtet, wie das der Menschen. Als kleiner Junge habe ich einmal eine Tracht Prügel von meinem Vater erhalten, als er nachhause kam und feststellte, daß ich die Pferde nicht getränkt hatte.

Und so einen Eimer Wasser, vielleicht 20 l, zu schleppen, war schwere Arbeit. Und wenn ich heute sehe, daß Kinderarbeit verboten ist und daß es verboten ist, Kinder zu schlagen, dann denke ich an Sprüche 13,24:

Wer die Rute spart, haßt seinen Sohn, wer ihn liebt, nimmt ihn früh in Zucht.

Ich kann mich an den Tag erinnern, an dem die Lora aus dem Arbeitsleben schied und abgeholt wurde. Jedes Familienmitglied nahm persönlich von diesem geliebten Pferd Abschied.

Das muß 1949 oder später gewesen sein, denn da gibt es ein Foto mit uns 3 Kindern auf unseren 3 Pferden sitzend, das vom Jahr 1949 ist. Ich sitze auf Waldmeister, Ellinor auf Lady und Irene auf Lora, und unsere Eltern stehen daneben.

Lora hatte uns 10 Wochen lang auf der Flucht gedient und uns quer durch Deutschland gezogen, und schon davor viele Jahre treu gedient und auch wieder danach.

Ich bringe jetzt einmal etwas zur geistigen Seite von Tieren, es ist etwas, was Bertha Dudde von Gott erhalten hat:

B.D. NR. 4759 Vegetarische Kost? Töten der Tiere.

Es muß ferner ein Unterschied gemacht werden von Mensch und Tier insofern, als daß niemals der Mensch einem anderen Menschen das Leben nehmen darf, weil es auf der Erde keine weitere Verkörperung mehr für ihn gibt, weil das Erdenleben die letzte Station zum Ausreifen des Geistigen bedeutet, während das Geistige im Tier noch nicht die letzte Verformung erreicht hat, also ein Übergang in eine neue Form im gebundenen Zustand oder zum Menschen die Folge des Tötens ist und also ein Fortschritt genannt werden kann. Ferner ist der Umstand maßgebend, in welcher Weise dem Tier das Leben genommen wird. Es muß ein Akt der Liebe sein insofern, als daß dem Tier Schmerz und Qual erspart wird, denn immer muß in ihm das göttliche Geschöpf gesehen werden, das Meine Liebe besitzet und also schon darum schonend behandelt werden muß, auf daß das Geistige darin von seiten der Menschen Liebe spüret und bereit ist, sein Leben zu opfern zum Wohl der Menschen. Da es nun den Menschen in Wahrheit dient, erfüllt es seine Erdenaufgabe und gewinnt einen höheren Reifegrad, der ihm die Verkörperung als Mensch sichert oder auch eine höhere Entwicklungsstufe in einem anderen Lebewesen. Die Tötung eines Tieres aus Mutwillen ist eine Sünde, denn sie bricht ein Entwicklungsstadium vorzeitig ab. Doch niemals kann die gleiche Tat als Sünde angesehen werden, wenn ihr Motiv eine Hilfeleistung ist für den Mitmenschen. Wieweit nun diese Hilfeleistung Meinem Willen entspricht, soll gleichfalls erläutert werden.

Ich habe es niemals gern gehabt, unsere Pferde zu reiten, denn ich meinte, sie hätten es schwer genug gehabt, all die Arbeit zu verrichten.

Vor dem Krieg gab es bereits etliche Bauern, die Autos hatten, aber mit Kriegsbeginn war das dann erst einmal vorbei. Der Umgang mit Pferden war auch noch lange nach Kriegsende etwas Selbstverständliches, auch noch in Städten, und die Menschen hatten Verständnis für eine Welt mit Pferden. Das kann man im Fluchttagebuch merken, wo immer, wenn eine Stute gefohlt hatte, dieses als ein Sondersituation anerkannt wurde, einschließlich von Menschen, die irgendwelche öffentliche Funktionen hatten.

Tierhaltung ganz allgemein war in den Städten noch viele Jahre nach dem Krieg üblich, dies sogar noch mehr als vor dem Krieg, denn viele Menschen versorgten sich nun selbst mit Nahrungsmitteln, an die anders schwer ranzukommen war. Die Haltung von Kaninchen war zum Beispiel recht beliebt.

 

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Anmerkung zum 23.02.1945 Ein einmaliger Berg

Hier berichtet meine Mutter folgendes: "Von Zannow bis Köslin ein einmaliger Berg, immerzu egal ansteigend bis Köslin."

Mutter schreibt an verschieden Stellen Bemerkungen über Berge und Steigungen, zum Beispiel auch am 27.01.1945: "nun immer bergan, denn es kam die Danziger Höhe."

Jetzt kommen zwei Karten, die diese Situation nach Zanow und vor Köslin darstellen. Die erste Karte zeigt aber die ganze Strecke von Kranthau bis Köslin mit den Bodenerhebungen.

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Meine Mutter mochte keine Berge und Hügel, sondern zog es vor, dort zu leben, wo es flach war. Sie wollte in einem Haus leben, wo alle Räume auf gleicher Höhe sind. Sie mochte keine Treppen. Sie mochte auch keine Ecken in Räumen, da sie schwer sauberzumachen sind. Geistige Schriften empfehlen auch Räume ohne Ecken. Ihr ideales Haus war ein Haus auf einem Plattenteller, wo sie das Haus so drehen konnte, daß der Raum, in dem sie war, zur Sonne hin ausgerichtet werden konnte und sich dann mit der Sonne mitdrehte.

 

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Anmerkung zum 28.02.1945 Alles in Ordnung

Hier berichtet meine Mutter folgendes: "In Stresow unser Treck Quartier bei Ortsbauernführer Ziemer um 17 Uhr — 4 Bauern im Dorf nur. Hof ca. 300 Morgen groß. Frau Ziemer ist Lehrfrau, Haus alles in Ordnung, Wasserleitung, Spülklosett usw.."

Mutter schreibt, daß "alles in Ordnung" dort sei bei Ziemers.

Das war am 28.02.1945. Und wenn man sich dann die historischen Karten ansieht, zum Beispiel Der russische Vormarsch an die Oder, Januar-April 1945, dann war das Küstenbebiet Pommerns östlich der Oder am 4. Februar 1945 noch nicht, aber am 7. April bereits in russischer Hand.

Und die andere historische Karte, Die Eroberung Deutschlands 1945, zeigt dann dieses Gebiet auch am 1. März 1945 als noch nicht erobert, aber breits am 15. März 1945, also mindestens 15 Tage später.

Der Treck aus Reichertswalde überquerte die Oder auf der Autobahn südlich von Stettin am 20. Februar 1945. Wir taten dies vom 03.03.1945 bis 06.03.1945, über die Inseln Wollin und Usedom, im Delta der Order, also fast 14 Tage später. Zu der Zeit war wohl für uns die Route über Stettin bereits zu riskant geworden.

Aber das Interessante war ja das Verhalten der Ziemers, sie standen direkt vor der offensichtlichen Eroberung und lebten weiterhin wie immer. Die Flüchtenden flüchteten vor ihren Augen vorbei, und sie taten, als ob keine Gefahr bestand. Sie verhielten sich wie die Menschen bei der Entrückung, die gottesfürchtigen Menschen schweben bereits empor, siehe Entrückt, wo Reinhardt Gschwend sah, was denen passierte, die nicht von dieser Welt und nicht von dem Gott dieser Welt entrückt wurden:

Hierauf erblickte ich andere Menschen, die ebenfalls durch die magnetische Kraft der Krone emporgezogen wurden, weil aber ihre Füße im Morast festgehalten wurden, konnten sie nicht frei werden. Zugleich aber waren ihre Hände gebunden und gefesselt an irgendwelche Schätze und Reichtümer, von denen sie ebenfalls nicht befreit werden konnten.

Da machte sich ein gewaltiges Feuer auf und brauste über die Erde. Es war das Feuer des Gerichts. Es erfaßte aber nur diejenigen, deren Füße noch festgebunden waren in dem schlammigen Morast, ungeachtet der Tatsache, daß sie vom HERRN gezogen waren.

Meine Mutter hat ja des öfteren Berichte aufgeschrieben, was denen passiert, die erobert wurden.

Und die wirklichen Berichte, die wir anzuhören bekamen, wurden ja von meiner Mutter in einer stark abgeschwächten Form schriftlich festgehalten, wir aber hörten all die Details, wie es den Menschen ergangen war, und die waren schrecklich. Und ich kann mich an diese Einzelheiten sehr gut erinnern. Das Wort Vierteilen war zum Beispiel schlimm genug, aber es gab Schlimmeres.

Aber allein schon erobert zu werden war schlimm. Und dann verloren sie doch all ihren Besitz, wurden enteignet, entrechtet und vertrieben.

Das kann aber noch alles als als relativ harmlos angesehen werden, doch wenn jemand Ortsbauernführer war, dann kann man auch annehmen, daß er der Partei angehörte, und solche Leute waren gehaßt von den Siegern.

Bei dieser Gelegenheit muß man natürlich nicht vergessen, daß dieser Krieg seinen Ursprung in den Gräueltaten dieser Partei hatte und besonders auch, daß der Haß der Angreifer von den Gräueltaten herrührte, die von dieser Partei in dem Land des Angreifers begangen wurden.

Diese Prophezeiung von Reinhardt Gschwend wird von mir als sehr glaubwürdig angesehen, weil ich den Propheten selbst gekannt habe, und er als äußerst glaubwürdig erschien. Der Prophet und seine internationale Arbeit haben mich beeindruckt und er ist einer der wenigen Christen, die mich überzeugt haben, wirkliche Christen zu sein.

Das große Problem ist, daß sich die Menschen nicht von materiellen Dingen trennen können. Georg Neumann schreibt:

Mutter hatte das meiste Gepäck in Dirschau auf dem Bahnhof stehen gelassen und nur zwei Handkoffer und eine Tasche gerettet. Das wichtigste Gepäckstück war mein alter Schulranzen, den sie mit Familien- und Geschäftspapieren vollgepackt hatte.

Dieser alte Schulranzen spielte, wie manche Dinge von Georg, auch eine Rolle in meinem Leben. Ich bringe jetzt einmal das erste Dokument, das in meinen Besitz gelangte:

UrkundeGeorg

An meinem siebten Geburtstag erhielt ich also von Georg Neumann seinen alten Schulranzen als Geschenk, kurz vor meiner Einschulung. Ich wurde erst mit sieben Jahren eingeschult, weil die Schule im Jahr zuvor noch als Lazarett benutzt wurde. Der wichtigste Gegenstand war damals die Schiefertafel, und der nasse Schwamm hing aus der Tasche heraus. Ich kann mir vorstellen, daß sich da heute einiges geändert hat.

Der Georg hatte also im Jahre 1946 Zugang zu einer Schreibmaschine. Die war vielleicht die von Luckes, einem sehr hilfswilligen Ehepaar, bei denen Neumanns wohnten.

Die Größe, oder eher die Kleinheit, der Urkunde gibt einen Eindruck von der Knappheit, die überall herrschte.

Ich habe jetzt gerade eine Pause gemacht und aus dem Fenster gesehen und die Mondsichel betrachtet und wie auch der Teil des Mondes, der nicht von der Sonne beschienen wird, etwas beleuchtet ist, und dann an Georg gedacht, der mir gesagt hat, das wäre die Beleuchtung von der Erde, der Erdschein.

Als Georg dabei war, Doktor und Professor der Physik zu werden, habe ich einmal den Fehler gemacht, ihn zu fragen, mit welcher wissenschaftlichen Arbeit er sich beschäftigt, und er hat mir das sehr willig erklärt, aber das war alles zu hoch für mich.

 

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Anmerkung zum 28.02.1945 (2) Ortsbauernführer

"Ortsbauernführer (OBF) war in der Zeit des Nationalsozialismus der Leiter der kleinsten beziehungsweise untersten Einheit im Aufbau des Reichsnährstandes. Er vertrat somit die "Ortsbauernschaft", in der Regel ein Dorf oder eine Gemeinde, in der er selbst ansässig war. Einen eigenen Verwaltungsapparat besaß er nicht, sondern musste sich mit den örtlichen Führern wie Bürgermeister und Ortsgruppenleiter der NSDAP auseinandersetzen. Nur äußerst selten war der OBF in Personalunion staatlicher oder parteilicher Hoheitsträger. Mehrere Ortsbauernschaften wurden zu einer Kreisbauernschaft (1938 rd. 52000) zusammengefasst. Ein OBF musste kein Mitglied der NSDAP sein, tatsächlich ist wohl eher von einem Anteil von weniger als der Hälfte auszugehen."

 

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Anmerkung zum 28.02.1945 (3) Löpener Großmutter

Dort gibt es diesen Eintrag: "Wir aber oben dunkles Zimmer mit Stroh, nur Löpener Großmutter unten im Herrenzimmer auf Chaiselongue."

Die Löpener Großmutter wird auch in der Anmerkung vom 21.02.1945 (2) erwähnt, daß sie eine von den 14 Personen ist, die zu der Zeit am Treck teilnahmen.

Dann gibt es eine Information von Waltraud Hilke vom 25.05.1988:

Eines Tages erschien Dorothee dort und holte mich in die Altmark, wo die Eltern mit Pferd und Wagen liegen geblieben waren und die Großmutter in Wittstock an der Dosse im Altenheim geblieben war.

Dies ist Teil dieser Webpage, der Anmerkung zum 22.01.1945 (2).

Noch eine Information von Waltraud Hilke, vom 23.1.2006:

Die Großmutter Geschichte ist erweitert unter dem Thema: "Zwei Großmütter aus Himmelforth", den ersten Entwurf schickte ich Ellinor. Die Mutter meines Vaters stammte auch aus Himmelforth, war aber einige Jahre älter als Wilhelmine.

Dies ist auch Teil dieser Webpage, der Anmerkung zum 07.08.1945.

Eine weitere Information von Waltraud Hilke, vom 27.05.2005:

Unsere Grossmutter Henriette Gehrmann bzw. Kahrau, blieb in Wittstock in einem Pflegeheim, zwei ihrer Enkelinnen waren in der Nähe, sie verstarb da am 9.4.1945 und wurde beerdigt im Beisein der beiden Frauen, noch vor dem Einmarsch der Russen.

Dies ist auch Teil dieser Webpage, der Anmerkung zum 21.02.1945.

 

 

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Anmerkung zum 01.03.1945 Iffland

Das Fluchtagebuch hat diesen Eintrag: "In Cammin Kaufmann Saath aus Mohrungen getroffen. Derselbe bis Montag, den 22. Januar abends in Mohrungen gewesen und viel noch von da erzählt., abends 8 Uhr der Russe in Mohrungen drin. Saath wollte wissen, daß Oskar Fischer, Scheffler, Herrndörffer und Günther weg sind. Iffland abends den 23.01. auch noch nicht weg, noch rumgeirrt am Bahnhof usw.."

Über Iffland hat Ellinors Dokumentation über Kranthau ein kurze Auskunft auf Seite 145: "Ernst Lingner hatte die Landwirtschaftsschule - Direktor Iffland, Mohrungen - besucht."

 

 

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Anmerkung zum 04.03.1945 Die Überquerung der Oder

Wir haben die Oder ganz an ihrer Mündung in die Ostsee überquert, also zwischen den Inseln Usedom und Wollin. Die beiden Inseln sind mit dem Festland durch Brücken verbunden, aber zwischen den beiden Inseln muß man eine Straßenfähre benutzen. Ich hätte diese Überquerung wohl verschlafen, doch meine beiden Schwestern weckten mich auf und zeigten mir Schiffe und ich war sehr beeindruckt, diese riesigen Stahlungeheuer so langsam sich auf dem Wasser fortbewegen zu sehen, etwas was mich heute noch fasziniert. Den Schwestern bin ich dankbar dafür, damals war ich wohl eher undankbar, da man mich aufgeweckt hatte. Ich kann mich also an diese Überfahrt gut erinnern.

Die eigentliche Überfahrt war wohl erst am 5. März 1945 ganz früh morgens.

Am 3. März waren wir vom Festland, von Hagen, auf die Insel Wollin über eine Brücke gefahren, zur Stadt Wollin. Es war mein Geburtstag. Ich wurde 6 Jahre alt und ganz am Morgen hatte man meinen Geburtstag gefeiert, ganz großartig, ich hatte eine Stange Pfefferminzplätzchen geschenkt bekommen. Geburtstagsfeiern ist nicht meine starke Seite, auch heute nicht.

Von der Insel Usedom auf das Festland sind wir auch über ein Brücke gefahren. Ich habe mir die Brücke, eine Klappbrücke, noch einmal angesehen als ich 1996 im Herbst die Insel Usedom ein zweites mal besuchte, also ein halbes Jahrhundert danach. Die Insel war recht belebt mit Besuchern, und ich stellte mir vor, wie es wohl in der Hochsaison sein würde. Das letzte kleine, östlichste, Stück von Usedom gehört heute zu Polen.

 

 

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Anmerkung zum 05.03.1945 Massenquartier

Da gibt es zwei Stellen im Fluchttagebuch, daß das Wort Massenquartier auftaucht. Einmal in 24.02.1945 und dann in 05.03.1945.

Ich habe in Erinnerung, daß wir in so ein Massenquartier einzogen und uns dort sehr wohl fühlten. Mit einem mal war alles in Ordnung. Der Staat war völlig auf unserer Seite, nicht wie heute, wo Flüchtlinge in Europa überhaupt nicht gerne gesehen zu sein scheinen. Wir brauchten nicht zu rennen, hatten ein Dach überm Kopf, Essen, Wärme usw. Für Alles wurde gesorgt. Feindseligkeiten gegen Flüchtlinge wären, so sie offen gezeigt worden wären, vom Staat, von der Diktatur, mit aller Härte begegnet worden.

Mitten in dieser ach so schönen Situation mußte meine Mutter, wieder einmal, alles umwerfen. Plötzlich gab sie die Parole aus: Wir brechen sofort auf und ziehen weiter. Protest half nicht. Die schöne Zeit war vorbei, nur weil meine Mutter im Massenquatier ein Wort gehört hatte: Läuse.

Das war ihre Methode, uns vor einer Entlausungsaktion zu schützen.

 

 

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Anmerkung zum 07.03.1945 Marschbefehl

Dort heißt es: In Anklam von NSV Marschbefehl nach Mecklenburg-Sachsen erhalten.

Dies scheint anzudeuten, daß der Staat oder die Partei Anstrengungen machte, auch den riesigen Flüchtlingsstrom unter Kontrolle zu bringen.

Anklam war westlich der Oder, in der damals preußischen Provinz Pommern. Mecklenburg war ein Land in Deutschland, es gehörte nicht zu Preußen, sondern war so wie Preußen ein Land in Deutschland, wohingegen Sachsen wieder eine Provinz von Preußen war. Zwischen Mecklenburg und Sachsen war dann noch die preußische Provinz Brandenburg.

Wenn man heute an Sachsen denkt, dann hat man das Gebiet um Dresden und Leipzig im Auge, aber das Sachsen damals war wohl das preußische Sachsen, also mehr das heutige Sachsen-Anhalt.

 

 

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Anmerkung zum 11.03.1945 Neustadt, Westpreußen

Hier schreibt meine Mutter folgendes: "Hier bei Frau Kruse neue Adresse von meinem Mann Walter erhalten: Volkssturmmann Walter Preuß, Feldged. Kaserne Block 11, Stube 2, 5a Neustadt, Westpreußen!"

Diese Information wird wahrscheinlich schon einige Zeit bei der Frau Kruse gelagert haben.

Neustadt ist nordwestlich von Danzig und genau westlich von der Stadt Hela, auf der Halbinsel Hela. Die Stadt Hela ist direkt am Ende der Halbinsel Hela. Das Ende der Halbinsel Hela ist am Süd-Ost-Ende der Halbinsel. Von der Stadt Hela bis Neustadt sind es etwa knapp 40 km und auf dieser Linie sind es von Neustadt bis zur Küste 20 km.

Neustadt ist auf der Karte OSTSEE-KÜSTE KOLBERG-DANZIG zu sehen.

Auf der Karte Gesamtfluchtweg ist die Stadt auch zu sehen. Dort hat sie den Namen Weiherowo.

Die Stadt wird auch Neustadt an der Rheda genannt.

Ich habe in Erinnerung, daß mein Vater Walter Preuß aus Westpreußen rausgekommen ist, indem er von Hela mit einem Schiff nach Schleswig-Holstein gefahren ist. Dort wurde dann seine Einheit den westlichen Alliierten übergeben, die dann seine Einheit der östlichen Siegermacht übergaben.

Mein Vater hatte sich aber vor dieser Übergabe entschieden, da nicht mitzumachen, er organisierte zivile Kleidung und machte sich auf den Weg nach Bad Salzdetfurth.

Dieses war eine der vielen Entscheidungen, die von meinem Vater, sowie auch von meiner Mutter, gemacht wurden, und die Überleben zur Folge hatten, und die deshalb gemacht werden konnten, weil meine Eltern sich nicht von dem System der damaligen Diktatur hypnotisieren ließen, ihm feindlich gegenüber standen, und ihm in entscheidenden Augenblicken nicht gehorchten, sondern genau das Gegenteil taten von dem, was ihnen befohlen wurde.

Und das ist genau der Grund, warum ich an dieser Website arbeite. Sie soll Menschen helfen, Systeme, die zu dem System des Gottes dieser Welt gehören, zu erkennen, und sich ihnen zu widersetzen. Jakobus 4,7: Ordnet euch also Gott unter, leistet dem Teufel Widerstand; dann wird er vor euch fliehen.

Und all dies ist leicht, wenn man nach Hiob 42,2 lebt und mit Hiob übereinstimmt und sagt: Ich habe erkannt, daß du alles vermagst; kein Vorhaben ist dir verwehrt.

Alle technischen Voraussetzungen sind jetzt schon erfüllt, eine perfekte Diktatur einzurichten. Man kann schon heute jeden vom Zugang zu Nahrungsmitteln abschneiden. Man braucht nur sein Konto zu deaktivieren und schon gibt es nichts mehr zu essen. Der letzte Schritt ist nur noch, das Bargeld abzuschaffen und da ist man feste dabei. Und wenn man dann glaubt, daß Gott alles vermag, auch einen am Leben zu erhalten ohne daß es etwas zu Essen gibt, dann fallen solche Entscheidungen relativ leicht.

Wenn sie uns also sagen, wir sollen den Diktator anbeten, dann leisten wir dem Teufel Widerstand.

Wenn ich mir die Karte von Eisenhower ansehe, Der russische Vormarsch an die Oder, Januar-April 1945, dann fiel Neustadt an die Sowjets zwischen dem 4. Februar 1945 und dem 7. April 1945.

Und die Karte Die Eroberung Deutschlands 1945, 1 März 1945, zeigt, daß das Gebiet um Neustadt am 1. März 1945 noch weiß war, aber am 15. März 1945, auf der Karte Die Eroberung Deutschlands 1945, 15. März 1945, bereits rot.

Mein Vater ist also vor dem 15. März 1945 dort rausgekommen.

Schleswig-Holstein war am 1. Mai 1945 noch weiß. Es könnte also sein, daß es auch am 8. Mai 1945, dem Tag der Kapitulation, noch weiß war, also nicht von Siegermächten besiegt wurde, sonder durch die Kapitulation an sie fiel. Und das würde mit dem übereinstimmen, an was ich mich erinnere.

Und dieses Widerstand-leisten geht bis in viele Entscheidungen herein und auch bis an viele Beziehungen heran, oft zu den Menschen, die uns am nahsten stehen.

Und das ist der Grund, weil ich mich auf dieser Website ausführlich mit persönlichen Beziehungen innerhalb der Familie beschäftige. Benutzen Sie diese Website, um von Beispielen zu lernen, besonders von negativen Beispielen.

 

 

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Anmerkung zum 12.03.1945 Tante Gertrud

Hier schreibt meine Mutter folgendes: "Schwester Ida, Georg und Schwester Trudel sind schon in Salzdetfurth."

Gertrud Janowski, verwitwete Pelz, geboren Mattern, 22.03.1913-06.03.2003, war die zweitjüngste Schwester meiner Mutter.

An sie habe ich viele Erinnerung. Ich habe sie bis in ihr hohes Alter gekannt.

Ich will hier einmal eine Sache berichten, von der sie sprach, als wir uns so am Ende des vorigen Jahrhunderts einmal über das Jahr 1945 unterhielten.

Sie sagte bei dieser Gelegenheit: "Und am nächsten Morgen bin ich dann zur Arbeit gegangen."

Ich war überrascht und fragte: "Du bist zur Arbeit gegangen? Warum bist Du denn nicht abgehauen?"

Sie sagte: "Der Grund ist ganz einfach. Nicht zur Arbeit zu gehen, wurde mit dem Tode bestraft."

 

 

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Anmerkung zum 14.03.1945 Schwiegermutter

Hier schreibt meine Mutter folgendes: "Eben fällt mir ein, daß meine Schwiegermutter heute Geburtstag hat, wo mag dieselbe stecken?"

Die Familiendaten sagen Folgendes: Wilhelmine Preuß, geb. Lemke, geboren am 14.03.1866 und gestorben Januar 1945 Flucht / Panzerbeschuß.

Ich habe aus Erzählungen folgendes im Gedächtnis:

Meine Großmutter Wilhelmine Preuß, geborene Lemke, war mit ihrer Tochter, meiner Tante Lina Gehrmann, geboren Preuß, 07.09.1899-07.02.1962, auf der Flucht und sie hielten sich in einem Haus auf. Meine Großmutter in einem Zimmer und meine Tante in einem anderen.

Hinter dem Haus war ein deutscher Panzer. Und vor dem Haus, in einiger Entfernung, war ein russischer Panzer und der wollte den deutschen Panzer ausschalten.

Nun war das Haus im Weg, da es zwischen dem deutschen und dem russischen Panzer war und dem russischen Panzer nicht erlaubte, den deutschen Panzer abzuschießen.

Der russische Panzer gab also erst einmal einen Schuß auf das Haus ab, um das Hindernis zu entfernen.

Der Schuß tötete meine Großmutter. Meine Tante blieb unverletzt – um das Geschehen zu berichten.

Ich habe meine Tante nach dem Kriege kennengelernt. Vielleicht habe ich da diese Geschichte gehört.

Ich glaube nicht, daß ich meine Großmutter je kennengelernt habe. Auch glaube ich nicht, daß ich meine Tante vor dem Ende des Krieges kennengelernt habe. Ich kann mich jedenfalls nicht an so etwas erinnern.

Meine Mutter war immer bemüht, Kontakte mit allen Verwandten aufrecht zu erhalten. Dies gilt mehr für die Zeit nach dem Krieg. Im Krieg und davor war das eingeschränkt. Mit den Verwandten in Amerika, in den USA mit des Vaters Verwandten, und in Kanada mit ihren Verwandten, war das wahrscheinlich auch der Fall, denn die Länder galten als feindlich. Bei den Verwandten in Deutschland hing der Kontakt davon ab, wie weit sie Nazies waren, war also abgestuft. Richtige und offizielle Nazis galten als nicht existierend.

Ich habe die Geschichte gehört, daß mein Vater in Mohrungen auf der Straße ging, und Leute beobachteten ihn als er seinem Schwager, dem Mann meiner Tante Lina Gehrmann, geboren Preuß, begegnete und mein Vater ihn wohl sah, und sein Schwager auch meinen Vater sah, daß aber mein Vater seinen Schwager, den Bürgermeister der Stadt, völlig ignorierte und nicht grüßte.

In Ellinors Dokumentation über Kranthau steht folgendes auf Seite 195: "Vater gehörte 1915 zur Garde in Berlin (4. Garde-Grenadier-Reg. "Augusta"); sein Bruder Richard war Garde-Kürassier, 1918 im Lazaret verstorben; meines Vaters Schwester Lina war mit dem G. Gehrmann, Bürgermeister in Mohrungen, verheiratet; der jüngste Bruder Ernst konnte 1983 Goldene Hochzeit feiern."

Meine Großmutter wohnte nun bei ihrer Tochter und somit bei dem Schwager meines Vaters und das brachtes es wohl mit sich, daß das Verhältnis schlecht war oder nicht existierend.

Ich nehme an, daß meine Mutter meine Tante zum Besuch eingeladen hatte. Meine Tante wohnte nach dem Kriege in Mitteldeutschland, und in den Jahren kurz nach dem Krieg war die Grenze zwischen Sowjet-Deutschland und der Bundesrepublik Deutschland noch durchlässig zu einem gewissen Grade. Der Eiserne Vorhang und die Mauer in Berlin wurden erst am 13. August 1961 zu fast 100 % dicht gemacht.

Mein Vater hat solche Besuche toleriert, weil er einfach meiner Mutter völlige Freiheit ließ. Sein Verhalten gegenüber seiner Schwester zeigte aber nicht gerade Enthusiasmus.

Gemäß Familienunterlagen starb meine Tante Lina am 7.2.1962. Ich erinnere mich an den Tag als die Nachricht von ihrem Tod bei uns eintraf. Meine Mutter weinte und mein Vater schien unberührt zu bleiben.

Es ging damals, zur Zeit der Nazis, um Leben und Tod. Die Nazis sagten meinem Vater, daß sie ihn eliminieren werden, aber erst nachdem sie die Welt erobert hätten, denn dazu brauchten sie ihn noch – als effektiven Nahrungsmittelproduzenten.

So etwas geht quer durch die Familien.

Denn von nun an werden fünf in einem Hause uneins sein, drei wider zwei, und zwei wider drei. Es wird sein der Vater wider den Sohn, und der Sohn wider den Vater; die Mutter wider die Tochter, und die Tochter wider die Mutter; die Schwiegermutter wider die Schwiegertochter, und die Schwiegertochter wider die Schwiegermutter.

Das ist Lukas 12,52-53.

Ich habe diese verwandtschaftlichen Beziehung immer mit Interesse verfolgt.

Ich habe aber auch die unterschiedlichen Lebensverhältnisse und Umstände der Verwandten beobachtet.

Da gab es seine eindeutige Tendenz. Je mehr ein Verwandter ein Leben abgewandt von Gott führte, je mehr Probleme hatte er im Leben.

Das Leben meiner Tante ist ein Beispiel. Sie und vier ihrer fünf Kinder lebten nach dem Kriege in der Sowjet-Zone, also, wieder, in einer Diktatur.

Und das Leben ihrer Mutter ist noch krasser.

Ich bringe jetzt etwas über den geistigen Hintergrund dieser Sache.

Vergeltung - Sühne. Ewige Ordnung. Vergebung durch Christus.

14. Februar 1950. B.D. NR. 4837.

Es gibt eine Vergeltung für alle Taten, gute und böse, auf dieser Erde, und ihr könnet nicht ungestraft sündigen, wie ihr auch nicht unentlohnt Gutes tut, doch es soll nicht die Furcht vor der Strafe oder die Aussicht auf Lohn euch bestimmen, Böses zu unterlassen oder Gutes zu tun. Ihr sollt aus reiner Liebe zum Nächsten ihn nicht schädigen, sondern ihm helfen, also dienstwillig sein, ihr sollt das Gute tun um des Guten willen und das Böse verabscheuen, weil es böse ist. So ist es Mein Wille und entspricht Meiner Ordnung von Ewigkeit; es ist das Gesetz des geistigen und sonach auch des irdischen Reiches, in Meiner ewigen Ordnung zu leben, um also selig zu sein, und wer dieses Gesetz der Ordnung umstößt, der ist in einem unseligen Zustand und wird entsprechend gerichtet, d.h. dem Geistigen zugesellt, das in Mir-widersetzlichem Willen steht, also gleichfalls Meine Ordnung nicht achtet. Und es wird dort das Unrecht einsehen können, wenn es will, und auch die Möglichkeit haben, es gut zu machen. Doch es erfordert das einen überaus starken Willen, sowie das Wesen von der Erde geschieden ist, während es auf der Erde leichter zur Erkenntnis sowohl, als auch zum Sühnen seines Unrechts kommen kann. Doch laut göttlicher Gerechtigkeit muß jedes Unrecht gesühnt werden, und das ist es, was ihr Menschen bedenken solltet, solange ihr auf Erden weilet. Darum wird euch ständig die Liebe gepredigt, darum wird euch das Evangelium, die Liebelehre Christi nahegebracht, auf daß ihr euch besinnet, euer Unrecht erkennet und euch bemühet, es durch gute Handlungen zu entsühnen, auf daß ihr euch bemühet, in der Liebe zu leben, die das Gesetz Meiner ewigen Ordnung ist und bleibt bis in alle Ewigkeit. Es gibt eine Vergeltung, und glücklich seid ihr zu nennen, wenn ihr auf Erden schon sühnen dürfet, denn im Jenseits ist es überaus schwer, eurer Schuld ledig zu werden, so schwer, daß ihr undenklich lange Zeit benötigt, während ihr auf Erden zu Dem eure Zuflucht nehmen dürfet, Der für eure Sündenschuld gestorben ist. Doch immer gehört dazu das Erkennen eurer Schuld und der Wille, ihrer ledig zu werden durch eine gerechte Sühne oder Mithilfe Jesu Christi, Den ihr um Vergebung eurer Schuld anrufen müsset, was jedoch bedingt, daß ihr selbst sie verabscheut und starken Willens seid, euch zu bessern und in das Gesetz Meiner ewigen Ordnung einzutreten - in der Liebe zu leben, wie es Mein Wille ist. Amen. B.D. NR. 4837.

Als also Meine Mutter ihre Eintragung in das Fluchttagebuch machte, war ihre Schwiegermutter bereits nicht mehr am Leben.

Man war auf Hinweise angewiesen, um herauszufinden, ob jemand ein Nazi war. Ich habe mich einmal mit meiner Tante Edith, 09.07.1918-10.04.1996, der jüngsten der sechs Schwestern, ein halbes Jahrhundert nach dem Ende des Krieges über das Ende des Krieges unterhalten und sie sagte mir, daß dann der Fluchtbefehl kam, es sei ein Telefon-Anruf gewesen. Und dann fügte sie hinzu, daß sie damals ein Telefon hatten, da ihr Mann Ortsbauernführer war. Sie sagte das, weil es damals nicht üblich war, ein Telefon zu haben. Aber so erfuhr ich, daß Onkel Karl Ortsbauernführer gewesen war, nur das sagt noch nicht, ob er auch Mitglied der Partei war.

Ein Telefon ist ein ausgezeichnetes Hilfsmittel für einen Diktator. Mit einem Telefon kann man gut kontrollieren. Denken Sie einmal daran, was man oft hört, wenn jemand einen Anruf auf einem Mobiltelefon erhält, der Angerufene erzählt pflichtbewußt, wo er sich gerade aufhält. Ich habe einmal so einen Anruf erhalten und habe dem Anrufer genau gesagt, wo ich bin. Ich habe ihm gesagt, ich sei direkt hier neben dem Telefon.

Sich vom Telefon zu befreien, kann ein wichtiger Schritt sein, sich aus dem Regiment des Antichristen herauszuwinden.

Meine Eltern hatten natürlich damals viel mehr Information über ihre Verwandten, nur zu deren Lebzeiten habe ich so etwas nicht nachgefragt. Das habe ich eigentlich auch dann später nicht versucht herauszufinden, es ergab sich von allein.

Ich habe mich auch einmal mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Zusammenbruch mit Meinem Cousin Rudi Gehrmann unterhalten, der eine kurze Zeit mit seinen Eltern in Mitteldeutschland gelebt hat. Und er erzählte mir, daß er immer wieder von den Russen gefragt worden sei, ob sein Vater ein Nazi war und sein Vater habe ihm den Rat gegeben, solche Fragen immer ganz klar zu verneinen. Das war ja nun für mich eine Gelegenheit, ihn zu fragen, was er denn nun wirklich gewesen war, aber das habe ich nicht getan. Rudi, er ist Jahrgang 1927, war noch Soldat gewesen, und er erzählte mir, daß seine Einheit sehr schlecht organisiert gewesen sei, nur im Herumkommandieren seien die Vorgesetzten gut gewesen, lösten sich dann aber auf und kamen danach im Westen wieder zusammen, und auch da sei es mit dem Herumkommandieren wieder sehr gut, aber nicht mit der Organisation gewesen. Ich habe mir danach Gedanken über diese Information gemacht, und kam zum Schluß, daß das vielleicht dazu beigetragen hat, daß Hiroshima nicht in Deutschland passiert ist.

 

 

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Anmerkung zum 15.03.1945 Röbel

Hier erwähnt meine Mutter Röbel, und Röbel liegt an der Müritz. Die Müritz ist ein See. Dieser See ist der größte See in Deutschland, der ganz von Deutschland umgeben ist, der also nicht an andere Länder angrenzt. Ich habe diesen See im Jahr 1997 besucht und zwar zu Anfang des Jahres. Es war sehr kalt und der See hatte eine dicke Eisschicht und ich bin auf dem See gegangen, auf dem Eis. Da waren mehrere Eissegler, Männer, die mit ihren Segelschlitten auf dem Eis segelten. Das ist eine eine sehr schnelle Art, sich auf gefrorenem Wasser fortzubewegen. Es erinnerte mich an Ostpreußen, an den Narien See, auf dem dieser Sport auch ausgeübt wurde. Vor allem wurde davon erzählt und für mich war es deshalb eine bekannte Aktivität.

 

 

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Anmerkung zum 15.03.1945 (2) Klubsessel

Hier in Röbel erwähnt meine Mutter "Uns wird gegenüber ein Herrenzimmer mit Sofa, Chaiselongue und Klubsessel zugewiesen. Emmi soll im Bett schlafen, die Löpener erhalten ein anderes Zimmer."

Für mich wurden zwei Klubsessel so zusammengeschoben, daß sie ein Kinderbett bildeten. Das war wohl der seltene Fall, daß ich auf der Flucht ein eigenes Bett hatte. Ich fühlte mich also wichtig. Aber richtig wichtig fühlte ich mich dadurch, daß es Klubsessel waren, denn in ihnen sitzen wichtige Leute.

 

 

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Anmerkung zum 15.03.1945 (3) ihre Franzosen

Im Fluchttagebuch steht: "Wir saßen hier im Gasthaus „Zur Linde" in Röbel, da kommen gerade Elimar Hopp und Frau aus Eckersdorf rein — sie fahren mit Spazierwagen weiter. Sie haben ihre Franzosen mit Leiterwagen vor Marienburg verloren."

Diesen Franzosen ging es wahrscheinlich genau so wie unserem Polen, Peter Goreci, auch sie sahen sich einer Befreiung durch die Freunde von Roosevelt ausgesetzt, setzten aber alles daran, um dieser Befreiung zu entfliehen und ihr Leben zu retten.

 

 

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Anmerkung zum 17.03.1945 Mecklenburg

Hier schreibt meine Mutter "Hier ist die Grenze von Mecklenburg und Brandenburg."

Dieser Ort ist südlich von Wredenhagen und nördlich von Wittstock. Wredenhagen ist in Mecklenburg, und Wittstock ist in Brandenburg, oder wie es dann im Flucht-Tagebuch heißt, Wittstock, Mark Brandenburg.

Nur ist diese Feststellung, "Hier ist die Grenze von Mecklenburg und Brandenburg," genau genommen nicht richtig. Man kann dies vergleichen mit einer Fahrt von Salzburg in Richtung Westen, und der Feststellung, "Hier ist die Genze von Österreich und Bayern." Österreich ist ein Staat und Bayern ist der Teil eines anderen Staates, ein Teil Deutschlands, und deshalb müßte es heißen, "Hier ist die Genze von Österreich und Deutschland."

Und so müßte es im Flucht-Tagebuch eigentlich heißen, "Hier ist die Grenze von Mecklenburg und Preußen."

Mecklenburg und Preußen waren damals Länder im Deutschen Reich, und Brandenburg war eine Provinz des Landes Preußen. Mecklenburg war also in der Hierarchie auf der gleichen Stufe wie Preußen, und auf einer höheren Stufe als Brandenburg. Nur spielte damals das Land Preußen im deutschen Sprachgebrauch, wenn es um Teile Deutschlands ging, und ein Teil benutzt wurde, um einen Standort zu definieren, eine fast nichtexistierende Rolle, weil es einfach für diesen Zweck zu groß war.

Und wenn man sich historische Karten von der damaligen Zeit ansieht, dann erscheint Preußen da einfach oft gar nicht, sondern nur die Provinzen Preußens werden angegeben. Da sind, zum Beispiel, englische Karten konsequenter und stellen die Situation korrekter dar.

Als wir dann in Bad Salzdetfurth ankamen und danach dort dann lebten, waren wir eigentlich wieder, wie in Kranthau, im deutschen Land Preußen, nur ist uns das gar nicht so zum Bewußtsein gekommen, eben wegen dieses Sprachgebrauches.

 

 

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Anmerkung zum 18.03.1945 (2) Ortsgruppenleiter (OGL)

"Die Ortsgruppenleiter, genannt  „Goldfasane“

Der nationalsozialistische Ortsgruppenleiter stand einer Ortsgruppe der NSDAP vor. Er gehörte dem „Korps der Politischen Leiter“ an und war nebenberuflicher „Amtswalter“ der Partei. Der Ortsgruppenleiter stand in der pyramidenförmigen Leitungsstruktur der NSDAP auf der dritten Ebene von unten über dem Zellenleiter und dem darunter stehendem Blockwart (Blockleiter). Oberhalb des Ortsgruppenleiters folgten die Kreisleiter, die 32 Gauleiter, die 18 Reichsleiter sowie der „Führer“ und dessen Stellvertreter.

Dem Ortsgruppenleiter unterstanden nicht nur die NSDAP-Parteimitglieder (mindestens 50 und höchstens 500), sondern alle Haushalte (mindestens 150 und höchstens 1.500) in der Ortsgruppe. Auch waren dem Ortsgruppenführer die Zellen- und Blockleiter unterstellt. Er selbst war dem Kreisleiter der Partei verantwortlich und wurde von diesem dem Gauleiter zur Ernennung vorgeschlagen. Als Stellvertreter verfügte der Ortsgruppenleiter über einen Adjutanten, den Stützpunktleiter, dessen Amt 1939 aufgelöst wurde. Die Ortsgruppe bestand meistens aus acht Zellen und sollte möglichst nicht die Grenzen einer Gemeinde überschreiten; dennoch konnte in ländlichen Gebieten eine NSDAP-Ortsgruppe durchaus mehrere Gemeinden umfassen.

Die parteirechtliche Funktion des Ortsgruppenleiters entsprach eigentlich derjenigen des Vorsitzenden einer heutigen Parteigliederung auf der Ebene einer Kommune; faktisch kontrollierte jedoch der jeweilige Ortsgruppenleiter sogar den Bürgermeister oder Oberbürgermeister und durfte sich ihm gegenüber unter Missachtung von Recht und Gesetz Weisungsbefugnisse anmaßen. Dabei waren die Zuständigkeiten zwischen der staatlichen Organisation und der Parteigliederung keineswegs klar abgegrenzt. Die Funktionsträger – einerseits der Bürgermeister und andererseits der Ortsgruppenleiter – verfolgten häufig unterschiedliche Ziele und agierten teils miteinander, teils gegeneinander. Die fehlende Konturierung der Zuständigkeiten führte mitunter zu chaotischen Zuständen, welche die Verunsicherung der Bevölkerung beförderten. So wurde, wie auch heute in Staaten mit parallelen Strukturen von staatlicher Organisation und Parteiapparat, die Durchsetzung radikaler Ziele erleichtert."

Das Flucht-Tagebuch ist eigentlich eine recht schöne Dokumentation, die die Rolle des Ortsbauernführers und die des Ortsgruppenleiters in verschiedenen Situation beschreibt und wie sie sich in verschiedenen Persönlichkeiten darstellte.

Heute herauszufinden, wer diese Personen waren, ist nicht so einfach, da die meisten Dokumente, die nach dem Krieg geschrieben wurden, es sorgfältig vermeiden zu erwähnen, einmal um nicht alte Feindschaften neu aufzuwährmen und zum anderen, um den Frieden in Organisationen wie denen von Flüchtlingen und Vertriebenen zu wahren. Dann kommt noch hinzu, daß die Personen, die solche Nazi-Positionen innehatten, oder die Verwandte von solchen Menschen sind, und die nun Berichte über die alte Zeit schreiben, es sorgfältigst vermeiden, solche Zugehörigkeiten zu erwähnen.

 

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Anmerkung zum 19.03.1945 Kreisleitung und Kreisleiter

"Die Gaue wurden nochmals unterteilt und zwar in Kreise mit Kreisleitung und Kreisleiter, darunter in Ortsgruppen mit Ortsgruppenleitung und Ortsgruppenleiter. Diese waren wiederum in acht Zellen mit je einem Zellenleiter untergliedert. Darunter gab es als kleinste Einheit jeweils vier bis acht sogenannte Blocks (etwa 40 bis 60 Haushalte) mit eigenem Leiter, der im Volksmund meist als Blockwart bezeichnet wurde. Wenn man berücksichtigt, dass die NS-Volkswohlfahrt sich an der Parteiorganisation orientierte, wird bei der bekannten Aufstellung der Strukturen der NS-Volkswohlfahrt deutlich, wie umfangreich die Partei organisiert war: 40 Gau-, 813 Kreis-, 26.138 Ortsverwaltungen, 97.161 Zellen und 511.689 Blocks (Mitte 1939)."

"Der Kreisleiter der NSDAP stand an der Spitze einer eigenen Dienststelle („Kreisleitung“) mit einem Stab von Mitarbeitern. Er erhielt seine Befehle vom Gauleiter und bekleidete somit – von der geographischen Verwaltung aus gesehen – den vierthöchsten Posten in der NSDAP nach dem Gauleiter, dem Stellvertreter und dem Führer."

"Der Kreisleiter sollte bei Luftangriffen für die Partei Hilfsmaßnahmen organisieren, indem er Verpflegung und Notquartiere bereitstellte und für die Sicherstellung des Hausrates der Bombenopfer sorgte. Im Verlauf des Bombenkrieges wurde der Kreisleiter in den Großstädten immer mehr zur zentralen Schaltstelle bei der Bekämpfung von Luftkriegsfolgen. So stellte er Einsatzstäbe der Partei auf, die nach Luftangriffen beim Löschen von Bränden mitwirkten. Zu den weiteren Aufgaben des Kreisleiters gehörten die „Gefallenenehrungsfeiern“ der NSDAP. Ziel dieser Maßnahmen war, die Bevölkerung zum Durchhalten zu bewegen."

Das ist es also, was meine Mutter mit einem Kreisleiter macht, sie läßt ihn ihre Telefonanrufe machen.

 

 

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Anmerkung zum 21.03.1945 Jetzt sind wir in England

Hier schreibt meine Mutter folgendes: "½ 12 Uhr bei Wittenberge über die Elbe über eine sehr lange Eisenbahnbrücke gefahren. Ich bin mit den drei Kindern zu Fuß rübergegangen. Gleich hinter Wittenherge im Gasthaus wiederum Herrn Pöllner mit Frau und Schwägerin getroffen, derselben gesagt: „Jetzt sind wir in England". Ihren Handwagen haben sie bis Seehausen an unsern Wagen gehängt, dann trennten wir uns."

Es war diese Geisteshaltung, den Weg der nun möglich gewordenen Freiheit zu gehen, und das ganz bewußt und zielstrebig, und nicht, wieder, nun in einer anderen, noch schlimmeren, Diktatur zu landen. Wie viele Menschen, und auch ein recht großer Anteil meiner Verwandten, hatten diese bewußte Zielstrebigkeit nicht, und endeten, manche vielleicht nur vorübergehend, andere für immer, damit, den Rest ihres Lebens in Unfreiheit zu leben. Und ihre Kinder wuchsen dann darin auf und lebten bis ins Alter in der Sklaverei. Und nach 1989 - The ninth of November, a day to remember - habe ich dann einige von ihnen kennengelernt und alles war mit ihnen wie mit uns. Sie sahen so aus wie wir, sprachen unsere gemeinsame Sprache, hatten die gleichen Sitten und Gebräuche, waren gekleidet wie wir, hatten zum Teil die gleichen Nachnahmen, oder die der gemeinsamen Großeltern. Wenn es dann aber zu Themen weltanschaulicher Natur kam, zu politischen oder christlichen Themen, dann war da sofort eine Wand zwischen uns. Ihre ganze Geisteshaltung war die der Sklaverei.

Auch hier war eindeutig zu erkennen, daß sich die Haltung der Eltern zum National-Sozialismus so auswirkte, daß sie und ihre Kinder das ernteten, was sie gesät hatten. Und das ziemlich genau in den Abstufungen, wie sie sich dem Diktat des Diktators gebeugt hatten. Die, die offizielle Nazis gewesen waren, hatten die schrecklichsten Erfahrungen machen müssen.

Und so wird es in der Endzeit sein, je mehr die Menschen sich dem Diktat des Gottes dieser Welt beugen, je mehr werden sie sich dem Ziel annähern, das der Antichrist hat, der Abgrund.

Wären diejenigen, die unmittelbar nach dem Krieg in der Sowjet-Zone waren, geistig so ausgerichtet gewesen, daß sie nach Freiheit verlangten, dann hatten die die relativ einfache Möglichkeit, in die drei westlichen Zonen überzuwechseln, denn damals, vor dem Mauerbau, war diese Zonengrenze noch durchläßig. Einige meiner Verwandten haben es getan. Das Fluchttagebuch zeugt davon.

Das Fluchttagebuch ist also ein Dokument, das die Richtigkeit der Verheißungen des Wortes Gottes auf eine schöne und nette Weise beschreibt und somit beweist.

Und das ist der Grund, warum ich mich mit diesem Fluchttagebuch beschäftige.

Nun folgt eine Botschaft, die von Gott kommt, und die Bertha Dudde erhalten und aufgeschrieben hat:

Sünden der Väter rächen sich an den Kindern.

19. April 1949. B.D. NR. 4618.

Durch Generationen hindurch wird sich die Sünde der Väter an den Kindern auswirken. So ist es euch gelehrt worden, und ihr seid oft dadurch in Widerspruch geraten mit der Lehre an einen Gott der Liebe und der Barmherzigkeit, Der dem Sünder vergibt und ihm seine Strafe erläßt, so er ernstlich bereut. Ihr könnet es nicht begreifen, daß Menschen leiden müssen, die selbst nichts verschuldet haben und sonach die Opfer derer sind, die sündigten wider Gott. Und doch ist auch da die Weisheit und Liebe Gottes am Werk, wenn auch in einer euch nicht recht verständlichen Weise, spricht doch das Wesen der Seele vor der Verkörperung als Mensch hier mit, die sich einen sündigen Menschen selbst erwählte zu ihrer Einzeugung ins Fleisch. Es sind diese Seelen besonders triebhaft, sie sind trotz ihres endlos langen Entwicklungsganges, trotz vielfacher und qualvoller Verformung noch in einem äußerst mangelhaften Zustand, sie haben ihre Triebhaftigkeit noch nicht abgelegt und streben nun instinktmäßig einer ihr verwandten Menschenseele zu, wo sie Gelegenheit erhoffen, ihre Triebhaftigkeit ausleben zu können. Sie sind nicht selten vom gleichen Verlangen erfüllt, das den Menschen sündig werden ließ, wie sie auch oft dazu anregen, sowie sie in einem Körper Aufenthalt genommen haben (Mutterleib) und dann die Sünde selbstverständlicherweise auf ein neugeborenes Kind stärksten Einfluß hat, weshalb man nun von Veranlagung und Vererbung schlechter Anlagen spricht. Es kommt keine Seele in einen solchen Körper, die schon einen bestimmten Reifegrad erreicht hat, weil ihr Entwicklungsgang nicht gefährdet werden soll, sowie sie selbst zuvor schon ihren Willen bekundet hat, Gott zuzustreben. Es kann aber sehr wohl auch eine solche belastete Seele sich frei machen auf Erden von ihren Anlagen, sie kann durch ein scheinbar unverschuldetes Erdenschicksal ihre eigenen Fehler und Triebe erkennen und sich davon freizumachen suchen und wird dann auch in jeder Weise Gnade, also Hilfe von oben empfangen können, um ihren Willen zur Ausführung zu bringen. Zumeist aber leben sich solche Seelen aus und vergrößern die Sünde der Väter, doch immer in einer gewissen Willensfreiheit, denn Zwang wird ihnen nicht auferlegt. Sie selbst aber glauben sich unter Zwang stehend und suchen so, jede Verantwortung abzulehnen, sie führen nicht den leisesten Kampf mit sich selbst, erliegen daher jeder Versuchung, der sie aber widerstehen könnten, nur nicht wollen. Der Wille aber ist von Beginn der Verkörperung dem Bösen zugeneigt, und dieser Wille hat sich selbst die Form gewählt, die Träger der Seele werden sollte, was jedoch niemals ausschließt, daß die Seele nun als Mensch den Willen tätig werden lassen kann und sich befreien kann von der Sünde - daß also dann ein Glied der Kette zerrissen wird und auch die Sündenschuld der Väter um eines solchen Kindes willen getilgt werden kann. Denn der Wille eines triebhaften Menschen ist an sich stark, nur verkehrt gerichtet. Wird er aber in die rechte Richtung gelenkt, dann kann er auch siegen über alles und sonach ein Retter seines Vorfahren werden und ihm das Leid und die Not im Jenseits verringern. Amen. B.D. NR. 4618.

Meine Mutter schreibt, "bei Wittenberge über die Elbe über eine sehr lange Eisenbahnbrücke gefahren."

Wenn ich mir die Karte ansehe, dann scheint das eine Brücke zu sein, die beides ist, Bahn- und Straßenbrücke. Und sehr lang scheint die Brücke deshalb zu sein, weil sie über zwei Flüsse geht, über die Elbe und noch einen Nebenfluß der Elbe.

Diese Brücke ist also für uns eine Art Freiheitssymbol, sie führte zum Ort der Freiheit, und die Zeit der Freiheit begann als die Amerikaner mit ihrer Ankunft dem dritten Reich ein Ende machten.

Die entscheidende Überquerung war allerdings erst die vier Tage später. Am 25.03.1945 überquerten wir die Grenze zwischen der Provinz Sachsen in Preußen und der Provinz Hannover in Preußen. Und das war zwischen den Orten Mellin und Voize. Und das war die Grenze die dann wahrscheinlich die Zonengrenze zwischen der Sowjet-Zone und der britischen Zone wurde, der Eiserne Vorhang.

Eigentlich war diese Aussage meiner Mutter, „Jetzt sind wir in England", eine prophetische Aussage.

Dann kommt noch hinzu, daß das Gebiet westlich der Elbe dann tatsächlich England wurde, und zwar dadurch, daß es die englische Besatzungszone wurde. Und wir wohnten dann in diesem Gebiet, das ein englisches Hoheitsgebiet war.

 

 

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Anmerkung zum 22.03.1945 Generalstabskarte

Am 22.02.1945 steht da: "In Seehausen habe ich bei Soldaten eine Generalstabskarte eingesehen, alle Orte bis Bad Salzdetfurth aufgeschrieben, nachgemessen und festgestellt, daß es noch 200 km sind, also ab hier noch 177 km."

Meine Mutter hat also Generalsstabsarbeit gemacht.

Sie konnte mit Karten umgehen. Sie konnte Karten lesen.

Und dies verschaffte ihr auch eine geographische Übersicht; die politische hatte sie auch.

Und sie hatte ihre eigenen Karten bei sich. Mindestens zwei, wahrscheinlich mehr.

Zwei Karten, einmal die Karte "Locken", siehe Kranthau und dann die Heimatkarte des Kreises Mohrungen, die wir aus Ostpreußen mitgebracht hatten und die heute noch existieren.

 

 

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Anmerkung zum 26.03.1945 Ortsbauernführer und Kreisleiter Mohrungen

Hier schreibt meine Mutter folgendes: "Hier im Ort einen Soldat aus Allenstein/Ostpreußen getroffen und gesprochen. Derselbe erzählt, daß der Ortsbauernführer und Kreisleiter aus Mohrungen als erster aus seinem Ort geflüchtet ist. Später trifft dieser die Trecks aus seinem Ort, geht hin und will sie begrüßen - da ist er von seinen Treckleuten erschossen worden!"

Das war in Westerbeck, Kreis Gifhorn, wo meine Mutter diesen Soldaten getroffen hat. Ich kann mir vorstellen, daß der Bericht dieses Soldaten etliche Einzelheiten enthielt, die meine Mutter hier wohlweislich nicht in ihr Tagebuch eingetragen hat.

Vor allem kann ich mir vorstellen, daß der Name des Ortsbauernführers und Kreisleiters aus Mohrungen genannt wurde, oder zumindest beide, der Soldat und meine Mutter, genau wußten, um wen es da geht.

Vielleicht war dies einer der Leute, die meinem Vater gedroht hatten, ihn umzubringen, und nun erhielt meine Mutter, durch göttliche Fügung, Information, wer wirklich umgebracht wurde.

Ich kann auch nicht ausschließen, daß es sich um einen Verwandten meiner Mutter handelte.

Diese Sache erinnert mich daran, daß es eigentlich etliche Geschichten gibt, an die ich mich erinnere, die aber nicht im Fluchttagebuch auftauchen.

Da gibt es die Geschichte von unserem Ortsbauernführer, an dem sich mein Vater rächen wollte, ihm aber von meiner Mutter davon abgeraten wurde, indem sie ihn darauf hinwies, daß Gott sagt, mein ist die Rache. Die Geschichte, wie dieser Mann umgekommen ist, war eine besonders grausame Angelegenheit.

Die Rache ist mein; ich will vergelten. Zu seiner Zeit soll ihr Fuß gleiten; denn die Zeit ihres Unglücks ist nahe, und was über sie kommen soll, eilt herzu.

Das ist 5. Mose 32,35.

Da gibt es, um ein weiteres Beispiel zu nennen, die Geschichte, wie meine Mutter von einem Standgericht zum Tode verurteilt wurde, weil sie geflüchtet war zu einer Zeit, als es verboten war, und wie das Standgericht, nachdem das Standgericht das Urteil verkündet hatte, den Schwanz einzog, den Entscheid widerrief, weil meine Mutter anfing, die Herren des Standgerichtes anzugreifen und ihnen vorwarf, all die anderen Personen nicht verurteilt zu haben, die rumstanden, und das gleiche Verbrechen begangen hatten, und sie deshalb keine Ahnung von Recht hätten und außerdem sollten sie nicht Zivilisten belästigen, sondern den Feind bekämpfen. Diese Herren befürchteten wohl, daß das Volk vielleicht sie an dem Strick aufhängt, der schon vom Baum hing.

Dies war übrigens die einzige Gerichtsverhandlung, der ich je beigewohnt bin. Mir wurde also, von meiner Mutter, vorgeführt, wie man sich in einer Gerichtsverhandlung verhält.

Mein Vater wurde einmal vor Gericht geholt, weil seine Gegner einen, falschen, Zeugen gefunden hatten, und meine Mutter ist daraufhin zum Spitzenmann des Systems gegangen, um sich zu beschweren, und die Rückgängigkeit des Urteils zu verlangen. Bevor sie nach Berlin fuhr, hat sie niemand von ihrem Vorhaben erzählt, außer ihrer ältesten Schwester, daß dann die Familie weiß, wo sie geblieben ist, wenn sie aus der Höhle des Löwen nicht zurückkehren sollte. In der Reichskanzlei in der Wilhelmstraße ist sie dann von einem höflichen Beamten empfangen worden, der ihr versicherte, daß der Führer keine Zeit hat, denn er ist sehr damit beschäftigt, die Welt zu erobern.

Nun stelle man sich einmal vor, was heute ein Mensch machen würde, wenn er sich vorstellt, damals unter dem System zu leben, und den Gedanken erwägen sollte, sich in die Nähe eines Mannes zu wagen, der kein Bedenken hat, ein Reich wie das der Sowjet-Union anzugreifen, der keine Bedenken hat, einer Weltmacht wie der USA den Krieg zu erklären, und der keine Bedenken hat, tausende von Menschen umzubringen.

Bezüglich dieser Kriegserklärung sagte meine Mutter, daß damals mein Vater gesagt hätte, wenn die Deutschen eine Ahnung davon hätten, was die Amerikaner für Produktionspotential haben, um Panzer am Fließband so zu produzieren, wie sie Autos in Detroit produzieren, dann würden sie sich das wohl überlegen, einem solchen Land den Krieg zu erklären.

Das war also nach Pearl Harbour, nach dem Angriff der Japaner, am 7. Dezember 1941.

Ein Kreisleiter war ein relativ hohes Tier damals, kam direkt unterm Gauleiter, und überm Gauleiter kam dann direkt die Spitze der Hierarchie. Einer der bekanntesten Gauleiter war der ostpreußische. Es war Erich Koch. Dieser Name fiel oft und war mir deshalb geläufig. Bemerkungen über ihn waren zynischer Art, anstatt die Provinz zu verteidigen oder etwas für die flüchtenden Maßen zu tun, sei er abgehauen. Er war per Schiff nach Schleswig-Holstein geflohen, und hatte sich während der Reise auf eine neue Identität vorbereitet und tauchte dann dort unter. Nur sein Gesicht konnte er nicht auf seine neue Identität vorbereiten. Er fühlte sich dann dort sogar so sicher, daß er wieder anfing, politisch tätig zu sein. Wurde aber erkannt und einkassiert und die Amerikaner haben die östlichen Alliierten dann gefragt, ob sie ihn haben wollen. Polen hat sich zuerst gemeldet und bekam ihn.

 

 

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Anmerkung zum 28.03.1945 Die Reichsstraße Nr. 1

Nach Bortfeld sind wir vor Vechelde auf die Reichstraße Nr. 1 gefahren. Und dann weiter über Groß Lafferde und Hoheneggelsen und Garbolzum bis Schellerten. In Schellerten sind wir von der Reichstraße Nr. 1 abgebogen und nach Farmsen gefahren.

Wir waren also wieder auf der Reichstraße Nr. 1 wie in West-Preußen, von Marienburg, über die Nogat, über die Weichsel, nach Dirschau.

 

 

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Anmerkung zum 29.03.1945 Von Farmsen bis Bad Salzdetfurth

Wir sind, glaube ich, nach Wendhausen, über einen Berg gefahren. Für mich war es jedenfalls ein Berg. Und ich meine auch das es eine Serpentine war, vielleicht einmal hoch und auf der anderen Seite runter. Meine Karte zeigt keine Serpentine, vielleicht ist die Straße, als die Autobahn dort im Anfang der 60er Jahre gebaut wurde, begradigt worden.

In dem Ort direkt vor Bad Salzdetfurth, in Detfurth, sah man die Berge beginnen. Sie waren mit Wald bewachsen. In Detfurth sah ich, in der Nähe der Kirche, die links war, auf der rechten Seite ein Haus, das etwas höher lag, wo also die Berge anfingen, und vor dem Haus war da eine Stützwand aus weißen Natur-Bruchsteinen, nicht hoch, aber für mich etwas Ungewöhnliches.

Ich bin dort noch oft vorbeigekommen, und es erinnerte mich an das erste mal.

An den Regen, den meine Mutter erwähnt, kann ich mich auch erinnern.

Was meine Mutter hier nicht erwähnt, ist die Tatsache, daß gleich am ersten Tag in Bad Salzdetfurth sie gefragt wurde, ob sie eine Fuhre für jemand machen könnte. Das geschah dann auch, und so hatte meine Mutter gleich am ersten Tag ihr Fuhrgeschäft eröffnet. Ich kann mich daran erinnern, daß am 29. März 1955 das 10-jährige Geschäftsjubiläum gefeiert wurde.

Gleich vom ersten Tag an führte meine Mutter ein offenes Haus und wir hatten oft Besucher. Manchmal, wenn andere Flüchtlinge ins Haus kamen, kam es vielleicht dazu, daß von ihnen der Verlust der Heimat und des Besitzes und wer weiß noch was beklagt wurde. Solches Jammern wurde eigentlich nicht von meinen Eltern kritisiert, aber uns Kindern gegenüber wurde dann danach kein Hehl daraus gemacht, daß sie so ein Jammern nicht gutheißen.

 

 

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Anmerkung zum 31.03.1945 Frl. Strewe

Hier schreibt meine Mutter folgendes: "In der Verpflegungsküche bei Frl. Strewe zu Mittag gegessen."

Als ich mich jetzt eingehender mit dem Flucht-Tagebuch meiner Mutter beschäftigte, war ich überrascht auf diesen Namen zu stoßen.

Neben dem Hotel Kaiserhof stand das Haus des Oberförsters Strewe und dort wohnten seine beiden Töchter. Die eine kümmerte sich um die Hauswirtschaft und die andere, Erika Strewe, war Lehrerin.

Als ich so etwa 11 Jahre alt war und das neue Schuljahr begann, wurde der Stundenplan bekanntgegeben und da erschien das Fach Deutsch. Das hat mich überrascht und ich glaubte, die machen einen Fehler. Ich war Deutscher, habe mein ganzen Leben Lang Deutsch gesprochen, konnte Deutsch verstehen, schreiben und lesen, und nun wollen die mir Deutsch beibringen. Es wäre doch angebrachter, mir Französisch beizubringen, die Sprache hörte sich ganz gut an. Ich war also der Auffassung, daß die Erwachsenen mal wieder was verkehrt machen und nicht richtig wissen, was vernünftig ist. Ich hatte also die verkehrte Einstellung zu der ganzen Sache. Es hat lange gedauert, bis ich das merkte.

Sie fingen dann an, Englisch zu unterrichten, und da ich das mochte, ging es ganz gut. Mein Vater sprach Englisch, oder mehr Amerikanisch, und ich wollte immer nach Amerika, und somit war Englisch sehr willkommen. Die Englischlehrerin war Frau Böhme, und das machte Spaß und ich bekam eine gute Note.

Aber meine Skepsis gegenüber der Urteilsfähigkeit der Erwachsenen war eigentlich nicht völlig unberechtigt. Im elterlichen Betrieb war ich voll eingespannt mit schwerer körperlicher Arbeit und wenn ich zur Schule ging war das auch eine Art Erlösung davon. Doch nun hatten die Sachen wie Turnen und Sport auf dem Stundenplan, und nicht nur auf dem Stundenplan, sondern wirklich, und da meinte ich, da sei was verkehrt mit denen.

Ich hatte ja nun Glück, daß von zuhause aus, mir die Dummheit und die Gefährlichkeit der Nazis bekannt war, aber nun muß man sich mal vorstellen, wenn Kinder akademisch gebildete Eltern haben, und die selbst schon so dummes Zeug glauben, daß der Mensch vom Affen abstammt, oder daß der Glaube an Gott was für einfache Leute sei und wissenschaftsgläubig sind, wie solche Kinder von klein auf getrimmt werden, den Weg des Antichristen in den Abgrund zu gehen.

Ich habe in meinem Leben viele Menschen getroffen, die mehre Sprache sprechen, und wenn ich dann fragte, welche Sprachen sie sprechen, dann nannten sie mir ein paar, aber im Laufe des Gespräch fiel ihnen dann ein, daß sie eigentlich noch mehr Sprachen sprachen, und nannten sie mir. Wenn ich sie dann gefragt hätte, wie sie die Grammatik dieser Sprachen denn gelernt hätten, dann hätten sie mich gefragt, was denn Grammatik wäre.

Aber auch ein akademisch hoch gebildeter Mann wie Lyall Watson hat, sogar noch bevor er seine Muttersprache gelernt hat, ohne Grammatik, erst einmal die Sprache seines Kindermädchens und die Sprache seiner Spielkameraden gelernt, Zulu, und das sicherlich auch ohne Grammatik.

Ich habe Englisch erst besser gelernt, als ich mich unter Menschen begab, die kein Deutsch konnten und wir uns somit Englisch unterhalten mußten, oft eine von vielen Sprachen, die sie sprachen. Und da habe ich wie ein Papagei die Worte wiederholt, die sie sprachen, und das ist die Methode, um Sprachen zu lernen. Auch die Sprache Deutsch habe ich so gelernt. Ich bin fast ein ganzes Jahrzehnt ohne Grammatik ausgekommen.

Ein echter Sprachunterricht sollte den Lernenden dazu bringen, wie ein Papagei Worte und Ausdrücke und Sätze zu wiederholen.

Das nächste Jahr hatte ich Erika Strewe als Englischlehrerin. Und die machte daraus eine gründliche Sache. Und das beinhaltete auch solche Dinge wie Grammatik und wie das Zeug so alles heißt. Nur war das so, daß ich all dieses Zeug nur so halbwegs mitbekommen habe, weil ich anwesend war, aber es mich nicht wirklich interessiert hat, ich meinte, das sei mehr etwas für Mädchen, wenn man Sekretärin wird.

Nun stellte sich heraus, das dieses Zeug doch recht nützlich sei, um Englisch zu lernen. Mir fehlte es aber, zumindest teilweise. Und dann kam noch eine zweite Sache hinzu. Ich hielt Auswendiglernen für etwas für Unintelligente.

Ich lernte etwas auswendig, wenn ich es oft hörte. Mein Vater war zur Zeit des Kaisers bei dem seiner Garde gewesen und ich lernte den Text des Präsentiermarsches: Präsentiert dem König, fünfundzwanzig Pfennig sind zu wenig, einsfünfundzwanzig krien wa nich, und für fünfundzwanzig Pfennig präsentiern wa nich.

Es wurde da vom König gesungen, der zählte - bei den Preußen.

Wenn ein Gedicht auswendig gelernt werden sollte, dann ignorierte ich das, und wenn ich aufgerufen wurde, es vorzutragen, dann sagte ich den Anfang und tat dann so, als ob ich mich an den Rest nicht erinnern könnte.

Nun sollte ich englische Vokabeln lernen, und das half nun richtig, mir das Englisch-Lernen zu vermiesen. Das machte alles keinen Spaß.

Ich war also auf der Schule nicht gerade beeindruckend.

Wir hatten dann Herrn Fritsche als Lehrer. Ich glaube, er war einer der entnazifiziert worden war, aber das nur formal, nicht wirklich. Er wollte offensichtlich nicht den Eindruck machen, als ob er seine Liebe für die Nazis als Geheimnis für sich behalten wollte. Und der unterrichtete, auch, Mathematik.

Nun im Rechnen war ich auch nicht gerade ein Glanzstück und das hatte wieder etwas mit dem Auswendiglernen zu tun. Der Lehrer Grosser spielte mit uns "Den Letzten beißen die Hunde" und da mußten alle aufstehen und dann sagte der Lehrer zum Beispiel: "Elf mal Neun." Und wer dann als erster die Antwort schrie, der konnte sich hinsetzen. Und ich war meistens einer der letzen die sich hinsetzten. Das war auch wieder etwas für Unintelligente, meinte ich. Wozu die Eile?

Dieser Lehrer Fritsche nun, der bei mir mit dem Mathematik-Unterricht anfing, machte den Mathematikunterricht interessant und regte uns zum Denken an und besonders zum logischen Denken und das war was für mich, da machte ich mit.

Der war aber nur so etwa ein Jahr mein Mathematik-Lehrer, vielleicht wurde er befördert, zu einer höheren Schule, ich weiß es nicht.

Danach wurde Erika Strewe meine Mathematik-Lehrerin. Und sie machte das gründlich, sehr gründlich. Ich machte da voll mit, weil ich einmal schon interessiert war, und weil ich auch das Interesse der Lehrerin merkte, uns das wirklich - gründlich - beizubringen, und einen guten Job daraus zu machen.

Diese Fach riß mich also raus aus einer mehr oder weniger schlechten oder mittelmäßigen Position.

Ich weiß noch, als Französisch als freiwilliges Fach angeboten wurde, daß ich da voll mitmachen wollte und mich dazu meldete. Die Reaktion darauf war, Du bist eine Niete im Englisch und nun willste auch eine in Französisch werden - Nein.

Fräulein Strewe war auch in einer anderen Hinsicht gründlich und das war beim Korrigieren. Alles was falsch war, mußte noch einmal gemacht werden, und das solange, bis da keine Fehler mehr waren. Man bekam also seine Hausaufgaben oder seine schriftlichen Arbeiten solange zurück, bis alles in Ordnung war.

Ich lernte dadurch, zwangsweise, meine Arbeit beim ersten mal richtig zu machen.

Das hat mir viel geholfen später im Studium. Auch wenn ich vielleicht nicht alle Antworten wußte, so war zumindest das, was ich rechnete richtig, und ich bestand die Prüfung. Und im Beruf war es genau so, die Berechnungen waren okay.

Ich denke also gerne an Fräulein Strewe und bin dankbar, daß sie gründlich war und mir was beigebracht hat.

Wer das nun in der Verpflegungsküche war, weiß ich nicht. Vielleicht waren die Schulen geschlossen und sie arbeitete etwas anderes. Ich bin jedenfalls erst 1946 eingeschult worden, vorher wurde die Schule als Lazarett benutzt.

Ich habe mich einmal mit einem Engländer unterhalten und ihn gefragt, wie es kommt, daß er so gut Deutsch spricht. Er sagte mir, er lebe schon lange in Deutschland, seine Frau ist deutsch, zuhause wird deutsch gesprochen, auch mit den Kindern, und so lebt er halt wie ein Deutscher. Ich sagte dann zu ihm, wenn man eine Sprache nicht als Kind von Grund auf gelernt hat, dann ist das recht schwierig, sie richtig zu sprechen und das besonders im Deutschen bei den Endungen; wie er denn das hinkriegt. Er sagte mir darauf, daß er die Endungen einfach verschluckt.

Und so ist das mit meiner Grammatik. Ich sehe ein Wort im Wörterbuch nach, kann aber nicht richtig die grammatischen Ausdrücke dort verstehen und verschlucke sie deshalb einfach.

Da gab es eine andere Sache, die mich zu der Überzeugung kommen ließ, daß mit allen Erwachsenen etwas verkehrt ist. Wir hatten Erdkundeunterricht und da wurde auch von Afrika gesprochen und von all dem, was da erzählt wurde, erhielt ich den Eindruck, daß es da warm war. Wenn die Erwachsenen nun in Ordnung wären und wenn mit ihnen nichts verkehrt wäre, dann müßten sie doch ihren Koffer packen und da hinziehen. Die machten das aber nicht und blieben hier und froren sich einen ab. Und ich mußte deshalb auch in dieser Kälte leben, nur wegen der Erwachsenen. Das verursacht, daß ich heute noch der Meinung bin, daß mit denen, vielen von ihnen, was verkehrt ist.

Durch die Flucht war ja nun eine kleinere Verbesserung eingetreten. Wir verließen den 54. Breitengrad und kamen zum 52. Breitengrad. Aber warum haben wir dann nicht später in dieser Richtung unsere Ziel gesetzt und sind so zwanzig oder dreißig Breitengrade weiter in Richtung Süden getreckt?

Und dann gibt es auch, unter mehreren anderen, noch einen anderen Grund für meine Skepsis. So gut wie alle Menschen um mich herum, auch die meisten Christen, sind hinter der Materie her. Wenn man nun aber herausgefunden hat, daß unsere Hauptaufgabe hier auf dem Planeten Erde ist, hier in diesem letzten Stadium als Mensch, ausgerüstet mit Intelligenz und einem freien Willen, sich von dieser Gefangenschaft in der Materie zu befreien, und nach unendlich langer Zeit wieder in das Stadium als Gott zurückzukehren, und sieht, daß so gut wie niemand dieses anstrebt, ja noch nicht einmal versucht herauszufinden, worum es hier eigentlich geht, dann kann man eigentlich gar nicht anders, als zu meinen, mit denen sei etwas verkehrt.

Und wenn man sich nun Mühe gibt, diese Materialisten auf ihr merkwürdiges Verhalten aufmerksam zu machen, dann hat man wieder den Eindruck, wenn man sich deren Reaktion ansieht, mit denen sei etwas verkehrt.

Meine schlechten Ergebnisse in Englisch hatte ich mir also selbst zuzuschreiben. Und die Null-Ergebnisse in Französisch auch. Die Ergebnisse in Mathematik waren gut. Erdkunde war auch einigermaßen.

Aber bei Geschichte ging es schon los. Die ganze Tendenz war, die Geschichte der Menschheit entwickelte sich von unten nach oben, vom Steinzeitmenschen zum hochentwickelten Menschen der Jetztzeit, der ausgezeichnet Weltkriege organisieren kann, Menschen in Massen umbringen kann, und atheistische Diktaturen im Großformat erzeugt. Daß es genau umgekehrt ist, daß die Degeneriertheit des Menschen in Riesenschritten voranschreitet, davon hatten sie keine Ahnung.

Das beste Beispiel war ihr völliges Totschweigen der jüngsten Geschichte. Das war ja auch zu peinlich. Da hatten sie ja bei dieser Inszenierung alle mitgewirkt. Und hätte jemand da angeklopft, dann hätte man ihm vielleicht als Grund angegeben, daß es dafür ja keine Geschichtsbücher gibt.

Ich hatte in den Jahren vor Schulbeginn bereits so viel Geschichtsunterricht erhalten, daß das eigentlich schon genug war für den Rest meines Lebens.

In der Physik wurde von dem Einfluß des Bewußtsein in der Quantenphysik auch nichts gebracht. Das hätte ja das schöne Bild vom Materialismus gestört. Daß es die Materie eigentlich gar nicht gibt, sondern daß alles nur herumbwirbelnde Energie ist, wurde auch nicht richtig verstanden.

Im Religionsunterricht war es genau so. Das Wort Gottes wurde nicht gebracht, sondern die Kirchengeschichte der Kirche, die direkt eine Erfindung des Antichristen war. Der Atheismus war also das wirkliche Thema.

Die Biologie war natürlich ein völliges Desaster. Da gab es nur Materialismus. Was Leben ist und woher es kommt, was die Psyche ist, von einer Seele wurde erst gar nicht gesprochen, oder vielleicht sogar was der Geist ist, da war vollständige Ignoranz.

Als sie uns die Evolution auftischten, stellte ich nur die Überlegung an, daß es so etwas wie ein Wesen zwischen einem Affen und einem Menschen nicht gibt, und daß auch niemals jemand behaupted hätte, so etwas gäbe es oder hätte es jemals gegeben. Das war genau so dummes Zeug wie die Geschichte vom Weihnachtsmann, vom Osterhasen und vom Klapperstorch, nur bei der Evolution glaubten diese Erwachsenen tatsächlich, daß es Relalität sei.

Der Atheismus beherrsche damals, und heute noch viel mehr, das ganze Ausbildungssystem, und einen Nicht-Atheisten in einer Stellung zu haben, die irgend einen Einfluß auf pädagogische Planung gehabt hätte, war damals genau so wie heute, undenkbar.

Das Schulsystem war und ist eine absolute Katastrophe. Dies allein ist schon ein Grund, ein unverheirateter Mensch zu bleiben, denn nur daran zu denken, daß die Kinder einem solchen System ausgesetzt sein werden, genügt völlig, von der Idee des Heiratens geheilt zu sein.

Wer mit dieser Ansicht Probleme hat, dem empfehle ich, das siebte Kapitel in ersten Brief des Paulus an die Korinther zu lesen. Und wenn das noch nicht hilft, dann hilft vielleicht mein Aussage dazu: Heiraten?

Wenn ich also heute auf meine Schulzeit zurückblicke, wo meinen Eltern schriftlich gesagt wurde, daß ich mich nicht wirklich am Unterricht beteilige, dann bin ich eigentlich stolz darauf, denn es zeigt, daß ich unbewußt dem System Widerstand leistete. In der ersten Hälfte meines Lebens wurden mir Lügen erzählt, sie alle haben mich getäuscht, von allen Seite wurde ich in einen atheistischen Glauben hypnotisiert, und nun in der zweiten Hälfte meines Lebens muß ich all diesen Betrug und all die Unwahrheiten los werden.

In diesem Augenblick, wo ich diese Zeilen schreibe, haben wir in Deutschland eine Regierung, in der das Regierungsoberhaupt eine Frau ist, die ein Mitglied einer Partei ist, die von sich behauptet, eine christliche Partei zu sein, und die sogar das Wort christlich in dem Namen dieser Partei hat, und sie ist dort nicht nur ein Mitglied, sondern das Oberhaupt dieser Partei. Und die Ministerin, die für die Wissenschaft verantwortlich ist, gehört auch dieser Partei an. Und in dem Land ist das Ausbildungssystem völlig in der Hand der Atheisten und sie dominieren in dem System vollständig und endgültig alles und jeder Versuch, dieses Kartell des Bösen aufzubrechen, würde von der Seite dieser zwei Damen keinerlei Unterstützung finden. Dies ist die Situation im Herzen des christlichen Abendlandes und das Model für den Rest der Welt.

 

 

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Anmerkung zum 10.04.1945 Jochen Kühne

Hier schreibt meine Mutter folgendes: "Nachmittags mit meinen Pferden und Meiers Wagen dasselbe Holz mit Peter rausgeholt, noch 5 Säcke Fichtenzapfen dazu gesammelt, meine drei Kinder und Emmis zwei und Jochen Kühne mitgeholfen."

Ich glaube, Joachim Kühne war in meinem Alter. Vielleicht waren wir sogar in einer Klasse später, als die Schule anfing. Ich glaube, er ging dann zur Oberschule, vielleicht hat der dann Philologie studiert und wurde Lehrer, wie sein Großvater, der Rektor Kienscherf.

 

 

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Anmerkung zum 13.04.1945 Roosevelt

Hier schreibt das Flucht-Tagebuch folgendes: "Heute kam die Nachricht durch, daß Roosevelt gestorben ist. 120 km vor Berlin stehen die Amerikaner. Hier in Bad Salzdetfurth hat sich allmählich alles beruhigt."

Roosevelt starb am 12.04.1945 und auf ihn folgte Truman.

Die Karte Die Eroberung Deutschlands 1945 - 1. April 1945 zeigt, daß die Amerikaner noch etwa 200 km von Berlin weg waren, so etwa an der Weser standen.

Die Karte Die Eroberung Deutschlands 1945 - 15. April 1945 zeigt, daß die Amerikaner noch etwa 50 km von Berlin weg waren, an der Elbe standen.

Die Karten stimmen also mit dem Flucht-Tagebuch überein.

Die Amerikaner bewegten sich absichtlich langsam voran, mit der Begründung, zu viel Verluste zu vermeiden, und dies eher den Sowjets zu überlassen.

Der wirkliche Grund war jedoch, daß Roosevelt seinem Freund Stalin helfen wollte, dem sein Reich groß aufzubauen.

Und Truman zielte in die gleiche Richtung. Als Patton gleich weitermachen wollte und nach dem Diktator Hitler auch gleich den Diktator und Atheisten Stalin zu besiegen, ließ man ihn angeblich einen Autounfall haben.

Und in Korea machte Truman das Gleiche. Als Douglas MacArthur die Kommunisten besiegen wollte, wurde er von Truman rausgeschmissen und so hat man heute noch die Kommunisten dort und die Probleme, die sie kreieren, scheinen eher größer als kleiner zu werden.

Das, Roosevelt und Truman, sind Demokraten. Und der Demokrat Clinton pilgerte als junger Mann nach Moskau, um dort die anzubeten, die seine wirklichen Vorbilder waren und immer noch sind. Und der Demokrat Obama hat dann sein eigenes Land zum Hauptquartier des Kommunismus gemacht und ist nun der wirkliche Erbe und Nachfolger Stalins.

 

 

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Anmerkung zum 13.04.1945 (2) RM

Im Flucht-Tagebuch steht hier Folgendes: "Ich habe heute Räumungsfamilienunterhalt für April erhalten und zwar 215 RM."

RM bedeut Reichsmark.

Wenn ich heute Bilder von Münzen aus der Reichsmark-Zeit sehe, dann kann ich mich an solche Münzen erinnern, denn die lagen noch lange Zeit herum.

Ich kann mich erinnern, als wir uns an das neue Geld, 1948, an die Deutsche Mark, gewöhnten. Ich ging auf dem westlichen Bürgersteig der Unterstraße in Bad Salzdetfurth, so zwischen dem Kronprinz und dem Gildehaus, und sah eine Banknote auf dem Bürgersteig liegen, eine blaue. Ich tat meinen Fuß darauf und sah mich um, ob ich beobachtet wurde, ob sie jemand vermisste, und hob dann den Schein auf. Die Banknote war sehr klein, vielleicht 7 cm lang. Sie hatte den Wert von 0,10 DM, also 10 Pfennig. Plötzlich war ich Kapitalist. Damit konnte man so etwas wie ein Eis in der Tüte kaufen.

Diese Zahlung an meine Mutter war also 5 Tage nach dem Ende des Dritten Reiches - nach dem Ende des dritten Reiches in Bad Salzdetfurth. Und diese Zahlung wird wohl eine Einrichtung des Dritten Reiches gewesen sein und zeigt, daß so etwas wie diese Zahlung einfach weiterging, so wie eben auch viele andere Dinge.

Was neu war, war das Ausgangsverbot abends und die neuen Machthaber, die dem normalen Bürger aber kaum Schwierigkeiten bereiteten.

Wenn man all die Berichte im Flucht-Tagebuch bedenkt, die von den Veränderungen in dem Gebiet berichten, das von den Sowjets eingenommen wurde, dann gab es da einen gewaltigen Unterschied. Und das bewirkte in mir automatisch, daß ich Diktaturen, wie die von Hitler und die von Stalin, als etwas absolut negatives betrachtete, genau so wie Krieg, und der Meinung war, so etwas bekämpfen zu müssen. Und als es dann, nach der Einführung des neuen Geldes, der DM, dazu kam, daß dann langsam der Wohlstand ausbrach, da meinte ich, daß so etwas viel besser war, als Diktatur und Krieg, und als dann bald Studenten damit anfingen, in West-Deutschland, die Diktatur Stalins zu propagieren, da meinte ich, da müßte etwas dagegen gemacht werden.

Und als ich dann dabei war, etwas gegen diese Leute, die Stalin und Mao propagierten, zu unternehmen, stellte ich fest, daß sie Nazis waren, oder Kinder von Leuten die Nazis waren, und nun ihre Schuldgefühle dadurch los werden wollten, in dem sie nun etwas taten, was ihrer Meinung nach dem National-Sozialismus entgegengesetzt war. In Wirklichkeit hatte sich da nichts geändert, die Ideen von Hitler, von Stalin und von Mao, und ihre Taten, waren alles Ausgeburten der Hölle, und anstatt sich aus der negativen Erfahrung heraus Gott zuzuwenden, und die Hölle hinter sich zu lassen, fielen sie wieder auf den Gott dieser Welt herein, und unterstützen nun einfach ein anderes seiner Systeme.

Der Prototyp war Günter Graß, ein SS-Mann von Anfang bis zum Ende.

Meine Encyclopedia sagt: "GRASS, Günter Wilhelm (1927- ), German novelist and playwright. His works, deeply affected by the post-WWII sense of national guilt, ..." [GRASS, Günter Wilhelm (1927- ), deutscher Romanautor und Dramatiker. Seine Arbeiten, die zutiefst vom Nachkriegs-Gefühl der nationalen Schuld betroffen waren, ...].

Sie und er waren zutiefst vom Nachkriegs-Gefühl der nationalen Schuld betroffen.

Er war ein Diener des Satans als er jung war, und das hat sich auch bis zu seinem Ende nicht geändert.

Und wenn Sie nun Kinder haben, dann werden Ihre Kinder in der Schule dazu gezwungen, die Werke eines solchen SS-Mannes zu studieren.

Und das wiederum gibt Ihnen ein Bild, in welchem Zustand sich unsere Gesellschaft befindet.

An mehreren Stellen des Fluchttagebuches gibt es Information, was man damals für Dinge und Leistungen bezahlt hat:

27.02.1945
12 Pfd. Äpfel bekommen à -,30 RM, Milch reichlich, 30 Eier gekauft.

01.03.1945
Pferd in vierjährigen schwarzen Wallach eingetauscht und Richard noch 500 Mark und 2 Ztr. Hafer zubekommen.

22.03.1945
Abendessen für 9 Personen, 10 Mark bezahlt, je Zimmer 5 Mark und für Kaffee brühen 1,00 Mark.

28.03.1945
In Hoheneggelsen Fische = Schollen zu kaufen bekommen. Emmi für 6,00, ich für 11,00 Mark, ich wohl 11 Pfund.

27.05.1945
Heute beide Pferde und Peter nach Hildesheim für eine Frau Gehse, die bei Rasches wohnte: Plattenwagen voll Sachen und Frau Gehse nach Hildesheim gebracht. Ich bekam dafür 30.- Mark und Peter 4 Schachteln Streichhölzer und 10.- Mark Trinkgeld.

28.05.1945
Dafür zum Kaiserhof essen gegangen: 4 x Essen á 95 Pfg. und 1 Zitronensprudel zus. 4,60 Mark bezahlt. Im Ratskeller 4 x Essen 1,80 Mark bezahlt. Für Erwachsene pro Kopf 50 Pfg., Kinder unter 10 Jahren 40 Pfg. Am Sonntag 10 Pfg. pro Person mehr.

06.06.1945
Montag nachm. und Dienstag 4 Haufen Holz auf dem Sportplatz mit Bandsäge geschnitten, bezahlt 58,00 Mark für Ida, Edith, Elly und Trude.

24.08.1945
Ich war auch beim Augenarzt Dr. Spengler, Städtisches Krankenhaus, Am Weinberg, ich habe für die Untersuchung 10.- Mark bezahlt und bekam eine Brille verschrieben.

30.08.1945
Ellinor betreut jeden Nachmittag von ½ 4 bis 7 Uhr das Kleinkind Harriet, Tochter der Freifrau van der Hoop, erhält jedes Mal 50 Pfg., sie ist also unser Großverdiener.

17.10.1945
2 Ztr. Mohrrüben á 10.- und 2 Ztr. Kartoffeln ä 3,50 von unterwegs mitgebracht. Gestern war Walter in Hildesheim und hat von Ochtersum 40 Pfd. Birnen für 8,- Mark erstanden.

10.11.1946
Am 23. August kauften wir ebenfalls von Tostmann für 1.140 RM unsere Kuh „Wanda".

 

Preise
Beschreibung Preis
RM/kg
Preis
RM
Kartoffeln0,07
Mohrrüben0,20
Birnen0,40
Äpfel0,60
Schollen2,00
Abendessen1,11
Zimmer5,00
Kaffee brühen1,00
Fuhre30,00
Trinkgeld10,00
Essen im Kaiserhof0,95
Zitronensprudel im Kaiserhof0,80
Essen im Ratskeller0,50
Essen im Ratskeller, Kind unter 10 Jahren0,40
Essen im Ratskeller, Sonntagszuschlag0,10
4 Haufen Holz schneiden58,00
Augenarzt10,00
Kleinkind betreuen am Nachmittag0,50
Kuh1.140,00

 

Ich habe drei verschiedene Währungen in Deutschland erlebt. Zur Zeit dieses schreibens haben sie eine, die Euro genannt wird. Und ein Euro scheint weniger wert zu sein, als eine RM.

 

 

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Anmerkung zum 19.04.1945 Ortsbauernführer Meier

Hier schreibt meine Mutter folgendes: "Alle, außer Elly und Trude auf Gartenland gegangen, 7 Familien = 30 Quadratruten, also je Kopf 2 von Ortsbauernführer Meier erhalten, ich also 8 m2, aber sehr schlechter Boden!"

Ich weiß nicht, wer dieser Ortsbauernführer Meier war. Es scheint nicht der oder die Meier gewesen zu sein, von der sonst die Rede ist. Auch wird der Name Meier am 24.05.1945 so geschrieben: Meyer. Das war bei Frau Martha Meyer. Am 30.03.1945 aber Frau Martha Meier. Am 20.05.1945 steht da Martha Meyer, und daß sie ihren Mann im vorigen Jahr verloren hat, gestorben, und daß der Sohn Ernst Soldat ist in Südfrankreich. Es könnte der Friedrich Meier gewesen sein, der am 24.05.1945 erwähnt wird.

Auch am 28.04.1945 taucht der OBF Meyer auf.

Aber interessant ist, daß der Titel OBF, Ortsbauernführer, immer noch gebraucht wird. Vielleicht aus Gewohnheit, vielleicht auch einfach, weil der Titel und das Amt noch nicht abgeschafft worden waren.

Und vielleicht war der OBF Meyer eine Person, der von der Qualifikation her geeignet war, und nicht als Nazi belastet war.

Vielleicht wurden damals die dringendsten Sachen zuerst behandelt. Vielleicht war auch die Abschaffung der Straßenschilder der Adolf-Hitler-Straße nicht die höchste Priorität.

 

 

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Anmerkung zum 25.04.1945 Marlies Schneider

Hier schreibt meine Mutter folgendes: "Frau Marlies Schneider hat Geburtstag. . . . Abends Frau Schneider zum Geburtstag gratuliert."

Und am 29.03.1945, dem Tag unserer Ankunft in Bad Salzdetfurth schreibt sie:

Frau Schneider, unsere Bezugsadresse, war leider gerade nicht zu Hause, sie ist nach Hildesheim gefahren, Sachen holen. Deshalb dauerts ein bißchen lange, bis wir alle wissen, wohin mit uns. Als sie zu Hause ist, klappt es dann natürlich.

Meine Cousine Waltraud Hilke, geboren Gehrmann scheibt am 20.6.2006:

Am 25. April wurde Marieluise Heimsoth-Kienscherf 90 Jahre alt. Sie lebt nun in einer kleinen Wohnung mitten in Salzdetfurth, in der Wohnanlage, die Klaus Peter Stoffregen ausgebaut hat, um einen Innenhof lauter kleine Wohnungen, sind sehr beliebt und begehrt. Da hatten wir einen selten schönen sonnigen Tag und konnten Marieluise im Innenhof feiern, ihre einzige Tochter war mit Mann und Kindern und Schwiegertochter aus Kanada gekommen. Sie hat mich schon mal gebeten, ihr doch etwas über das Leben ihrer Mutter aufzuschreiben, das sie damals in Ostpreußen gehabt hat u.a., ich muß es nur noch mal abdrucken lassen, zu Papier hatte ich es schon gebracht. sie kam vor dem Kriege zu uns nach Löpen um ein wenig Hauswirtschaft zu lernen, bevor sie den Fritze Schneider heiratete und den Hof im Nachbardorf kaufte, zum Glück, konnte sie ihn noch im Kriege veräußern und mit ihren Kindern zurück nach Salzdetfurth ziehen, der Mann ist ja nie wieder aufgetaucht. Aber für uns alle war sie die Vermittlungsanschrift und letzten Endes der Sammelpunkt der Sippe. Ihr ältester Sohn mit Familie lebt in Australien, einer ist bereits verstorben und einen hat sie in Hannover und mit Sommersitz in Spanien, mit ihm und seiner Frau war sie im Frühjahr noch dort.

Ich kann mich gut an die Familie Schneider entsinnen. Frau Schneiders Vater war der Rektor Kienscherf, der Rektor der Schule in Bad Salzdetfurth. Frau Schneiders Tochter war Edda und die Söhne waren Frank und Gerd und Lutz. Wir wohnten hinter der Kirche und sie wohnten neben der Kirche, zwischen dem Rathaus und dem Ratskeller.

Meine Mutter schreibt am 30.03.1945: Frau Schneider ist ein einzig guter Mensch, Frau Kühne ebenfalls. Frau und Herr Kienscherf genauso!

 

 

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Anmerkung zum 12.05.1945 Ernst Höfel

Siehe besondere Webpage Ernst Höfel

 

 

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Anmerkung zum 13.05.1945 Herr Sterner

Hier schreibt meine Mutter folgendes: "Morgens ½ 8 Uhr Emmi, Leopold, ich und Herr Sterner Emmis beide Pferde nach Detfurth zur Gastwirtsfrau gebracht."

Ich kann mich an Herrn Sterner (Rektor i.R. Rolf Sterner, 5.12.1926-27.10.2015) erinnern. Er war ein netter, junger Lehrer als ich zur Schule ging.

Ich weiß nicht, ob ich ihn als Lehrer hatte.

Ich glaube, er hatte etwas mit meiner Prüfung für eine weiterführenden Schule zu tun. Das war so um das Jahr 1950.

Im Jahr 1945 war die Schule noch Lazarett und die Lehrer taten wohl etwas Anderes. Als dann 1946 die Schule begann, hatte sich wohl durch das verloren Jahr und durch Flüchtlinge und Ausgebombte die Zahl der Schüler aufgestaut und meine Klasse war recht groß.

 

 

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Anmerkung zum 07.08.1945 Wrisbergholzen

Hier schreibt meine Mutter folgendes: "Am Montag, 30.07. ist Großmama nach Wrisbergholzen zu Bruno und Elly und Monika gezogen."

Und am 17.01.1946 schreibt sie: "Walter und Ida haben heute die Großmama von Wrisbergholzen geholt, die am 30.7.1945 nach dort gezogen, also 5 ½ Monate dort gewesen ist."

Meine Mutter erzählte diese Geschichte, daß ihre Mutter ihren Schwiegersohn, meinen Vater, da er ein Fuhrgeschäft betrieb, gebeten hat, sie nach Wrisbergholzen zu ihrem Sohn umzuziehen. Danach, im nächsten Jahr, hat sie ihn aber gebeten, sie wieder zurückzuholen.

Meine Mutter benutzte diese Geschichte, um zu zeigen, was für ein gutes Verhältnis zwischen ihrem Mann und dessen Schwiegermutter bestand.

Meine Großmutter hatte 6 Töchter und 4 Söhne. Mit den Töchtern kam sie gut aus, mit den Söhnen zum Teil nicht gut.

Die ältesten drei Söhne hatten sich anscheinend gegen ihre Mutter gestellt, als es um den Weiterbestand des familiären Betriebs ging, nach dem plötzlichen Tod meines Großvaters. Der jüngst Sohn ging damals noch zur Schule.

Meine Großmutter hatte sich dann wohl aus einem Verkehr mit ihnen zurückgezogen. Zwei von diesen drei Söhnen kamen dann vom zweiten Weltkrieg nicht zurück.

Mit dem jüngsten Sohn hatte sie dann guten Kontakt und das führte dann wohl auch dazu, daß sie zu ihm zog.

Aber dieser enge Kontakt hat ihr dann wohl gezeigt, daß es zu große Unterschiede in der Lebensauffassung gab und sie deshalb von ihm wieder wegzog. Ich glaube aber nicht, daß es zu einem Bruch zwischen ihr und ihrem jüngsten Sohn kam. Am Freitag, 1. Februar 1946, kam er, um seiner Mutter zum Geburtstag zu gratulieren.

Die älteste Enkeltochter meiner Großmutter, Waltraud Hilke, geboren Gehrmann, schreibt ausführlich über die eigene Familie und die Familien ihrer Tanten, doch wenn es dann zu den Familien ihrer Onkel kommt, schreibt sie: "die Kinder der Onkel sahen wir selten."

Und dieses war eben einer der wichtigen Unterschiede zwischen meiner Großmutter und meiner Mutter. Meine Großmutter pflegte nur Kontakte mit Menschen, die rechtschaffend waren und die gottesfürchtig waren, und meine Mutter versuchte, mit allen gut auszukommen, und mit allen Familienmitgliedern in Kontakt zu bleiben. Und meine Großmutter lebte in Frieden und meine Mutter eben nicht, weil sie sich zum Teil sogar von engsten Verwandten bedrängen ließ.

Meine Großmutter ließ sich nicht von ihren Kindern bedrängen - im Gegensatz zur ihrer Tochter. Meine Großmutter akzeptierte keine Frechheiten von ihren Kindern - im Gegensatz zur ihrer Tochter.

Und der zweite wichtige Unterschied war, daß meine Großmutter keine Krankheitsmentalität hatte.

Meine Mutter schreibt am 21. Januar 1945: "Meine Mutter starb am 11.11.1948 in Bad Salzdetfurth an Herzschlag. Auch sie war nie wesentlich krank gewesen."

Das Patenkind meiner Mutter, ihre Nichte Waltraut Hilke, geboren Gehrmann, beschreibt diesen Unterschied sehr schön: "Großmama und Tochter Lina, äußerlich schon sehr verschieden, u. so verschlossen die Großmama war, so offen u. ansprechbar war Tante Lina, für mich. Sie hat mich oft ermuntert, auch mal kritisiert, aber immer im Positiven. Viele Besuche u. Gespräche mit ihr, im Haus in Salzdetfurth, als sie alleine war."

Eine weltliche Person beschreibt eine Person, die sich nicht an weltliche Gesprächen beteiligt, als verschlossen.

O Timotheus! bewahre, was dir vertraut ist, und meide die ungeistlichen, losen Geschwätze und das Gezänke der falsch berühmten Kunst, welche etliche vorgeben und gehen vom Glauben irre.

Das ist 1 Timotheus 6,20-21.

Eine andere Übersetzung sagt dies:

Timotheus, bewahre, was dir anvertraut ist. Halte dich fern von dem gottlosen Geschwätz und den falschen Lehren der sogenanten "Erkenntnis"! Nicht wenige, die sich darauf eingelassen haben, sind vom Weg des Gaubens abgekommen.

Sie sprechen von den gegenwärtigen Umständen, von ihrer "Erkenntnis", von dem, was sie kennen, was sie wahrnehmen, und bekennen es, und damit kreieren sie es, immer wieder, und erschaffen sich die Umstände ihres Lebens, ihre Probleme, ihre Krankheiten.

Und wenn ich nun ihnen ihre Situation erläutere, weil ich ihnen helfen will, gesund zu sein, dann ärgern sie sich über mich, weil ich ihnen ihre Krankheit wegnehmen will, weil ich ihnen das wegnehmen will, über das sie sich so gerne unterhalten und das sie so gerne beim Namen nennen. Ich will ihnen das Reden über gegenwärtige Umstände nehmen, und das wollen sie nicht, denn dann wären sie ja auch verschlossen.

Die Enkeltochter meiner Großmutter schreibt am 28. Juli 2005:

Noch habe ich Dir nichts von Georg u. seinem schnellen Ende geschrieben. Ich vermisse seine Anrufe sehr, wir sind uns selten begegnet, aber haben viel telefoniert. Andererseits kam sein Ende schnell, hat ihm jedoch viel Qual erspart.

Da hat die Enkeltochter mit dem Enkelsohn viel telefoniert, viel über gegenwärtige Umstände gesprochen, und was war das Ergebnis? Viel Qual.

Und sie dokumentieren all dies recht schön, für die Nachfahren, und Ahnenregister werden geführt, aber richtig lesen tut das niemand, und seine Lehren daraus ziehen - und ohne mit viel Qual zu leben.

Das ist der Hauptzweck einer Ahnentafel, daß das geistige Ergebnis eines Lebens aufgezeichnet wird. Wenn wir die Bibel studieren, dann ist das der Zweck unserer Anstrengung, davon zu lernen and dem guten Beispiel zu folgen and nicht dem schlechten Beispiel zu folgen.

Also tat Hiskia im ganzen Juda und tat, was gut, recht und wahrhaftig war vor dem Herrn, seinem Gott. 2 Chronika 31,20. Wir sollen die Berichte über die Menschen in der Bibel lesen und entsprechend handeln, tun was gut ist und nicht tun was schlecht ist.

Und Ahab tat was dem Herrn mißfiel, mehr als alle, die vor ihm gewesen waren. 1 Könige 16,30.

Georg war Professor an einem Postausbildungsinstitut, und das Telefonieren war wohl eine Art Deputat, das ihm nicht viel oder nichts gekostet hat - meinte er.

In Wirklichkeit hat es ihm alles gekostet. Das Telefonieren ist eins der schlimmsten Angewohnheiten. Anstatt mit Gott zu kommunizieren, telepathisch, greifen die Menschen zur Droge Telefonieren. Wenn man durch die Straßen geht, sieht man Menschen, die mit ihrem Smartphone busy sind, und die Häuser sind mit Receiver Dishes am Dach bestückt, damit sie Fernsehsendungen erhalten können. Es geht nur um eins, alles zu unternehmen, den Kontakt mit Gott nicht zu haben.

Es folgt ein Zitat von "Kann man Glauben messen?" und dort von 7.2 Wir enthalten uns falsche Worte."

Wir wollen auf eine Schriftstelle näher eingehen, 1. Timotheus 6,20-21. Diese zwei Verse passen nicht nur zu unserem Thema, sie formulieren auch ein Glaubensprinzip. Hier wird davon gesprochen, daß man vom Glauben dadurch abkommen kann, daß man gottlos schwatzt und sich mit den falschen Lehren der sogenannten "Erkenntnis" beschäftigt. Dieses ist eine klare Aussage, daß falsches Reden vom Glauben abbringt. Aber es wird auch von den falschen Lehren der sogenannten "Erkenntnis" gesprochen. Dieses kann einmal als ein Hinweis auf all die Lehren dieser Welt gesehen werden, die im Gegensatz zum Worte Gottes stehen, weil sie auf dem Verstand und den "Erkenntnissen" unserer fünf Sinne - unseres Körpers - basieren und nichts mit dem Geist zu tun haben, es kann aber auch eine Warnung an den Timotheus sein, nicht als Schauender seinen Weg zu gehen, sondern als Glaubender (2 Korinther 5,7).

Wenn er schaut, dann erkennt er, dann hat er Erkenntnis, dann läßt er sich von Erkenntnissen leiten, von dem, was er sieht, von den momentanen Lebensumständen. Er geht dann seinen Weg als Schauender, er fängt an, das auszusprechen, was er erkennt. Die Bibel nennt es "gottloses Geschwätz". Und wenn wir uns auf dieses gottlose Geschwätz einlassen, können wir vom Weg des Glaubens abkommen. Dauernd von den momentanen Umständen die um uns herum sind, zu sprechen, ist "gottloses Geschwätz", ist über unsere "Erkenntnis" sprechen. Es sind falsche Worte.

Der Schlüssel zum richtigen Sprechen ist also die Fähigkeit, falsche Worte zu vermeiden.

Waltraud Hilke schreibt am 23.1.2006:

Die Großmutter Geschichte ist erweitert unter dem Thema: "Zwei Großmütter aus Himmelforth", den ersten Entwurf schickte ich Ellinor. Die Mutter meines Vaters stammte auch aus Himmelforth, war aber einige Jahre älter als Wilhelmine. Tante Lina war in den letzten Lebensjahren wie verstummt, ihre lebhafte frühere Beredsamkeit war nicht mehr vorhanden, aber sie hatte nichts vergessen, nur sprach sie nicht mehr darüber und das hatte mit meinem Empfinden, mit der Tante Gertrud und deren Vorwürfen zu tun.

Das war Trautes Empfinden, war aber nicht Realität.

Aber das ist richtig, daß meine Mutter nichts vergessen hat.

Und auch, daß meine Mutter wie verstummt war, ist richtig. Und auch, daß sie nicht mehr darüber sprach.

Meine Mutter hatte etwas gelernt. Sie hat aus ihrer Erfahrung gelernt. Und aus der Erfahrung ihrer Mutter, meiner Großmutter. Sie hatte aufgehört, über gegenwärtige Umstände zu sprechen.

Und das brachte ihr auch teilweise Frieden ein. Und auch Gesundheit.

Ihre Patentochter, die Traute, hat also diese Veränderungen ihrer Patentante wahrgenommen, aber ob sie selbst auch Lehren aus der Geschichte gezogen hat, ist eine andere Sache.

In ihren Briefen tauchen immer und immer wieder Aussagen auf, in denen sie ihre gesundheitlichen und finanziellen Probleme erwähnt. Ich schicke ihr Lehrmaterial, das ihr zeigt, daß es verkehrt ist, solche Dinge in den Mund zu nehmen und auf Papier zu schreiben, aber das hilft nichts. Und wenn ich dann etwas direkt anspreche, wie das Sprechen und Schreiben über momentane Umstände, wird sie anscheinend ärgerlich.

 

 

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Anmerkung zum 09.10.1945 Unter russischer Besatzung

Hier schreibt meine Mutter folgendes: "Am Sonntag, den 7. Oktober, kamen Waltraut, Dorothee und Rudi hier an. Sie sind am Donnerstag aus dem Kreis Seehausen, unter russischer Besatzung, mit Handgepäck losgegangen und am Sonntag hier gut angekommen. Grete, Richard und Fredi sind noch dort geblieben."

Dies war also die zweite Ankunft von Waltraut in Bad Salzdetfurth. Die erste wurde im Flucht-Tagebuch am 12.03.1945 berichtet und demnach fuhr Traute am 09.03.1945 von Potsdam nach Bad Salzdetfurth, zusammen mit Edith und deren Tochter Helga.

Und gemäß Trautes eigenem Bericht ist sie kurz vor Ostern wieder in Richtung Osten gefahren und kam dort unter russische Besatzung. Und das ist auch der Grund, warum das Flucht-Tagebuch Traute die ganze Zeit vom 29.03.1945 bis zum 09.10.1945 nicht erwähnt.

Und gemäß Trautes eigenem Bericht war auch Dora kurz vor Ostern bereits das erste mal in Bad Salzdetfurth.

Dies wurde bereits unter der Anmerkung 22.01.1945 diskutiert.

 

 

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Anmerkung zum 24.10.1945 Kessel Danzig-Marienburg

Hier schreibt meine Mutter folgendes: "Bruno Neumann ist heute Abend hier angekommen. Er war im Einsatz im Kessel Danzig-Marienburg gewesen und wurde dort am Arm verwundet. Alle seine Sachen, wie Briefschaften, Mantel, Schuhe usw. sind verbrannt. Am 9. Mai ist er mit ca. 3 Millionen Mann in russische Gefangenschaft gekommen."

Diese Zahl von Soldaten gibt schon einmal einen Eindruck von der Größe der Heere, die sich damals gegenüber standen. Und dann muß man noch berücksichtigen, daß die Sowjet-Armee wesentlich größer war als die Armee Hitlers.

Wir befanden uns also damals in einer Situation, wo sich vielleicht die größten Heere bekämpften, die es je in der Geschichte der Menschheit gegeben hat. Und wir waren da mitten drin.

Bruno Neumann, 21.03.1892-07.10.1977, war der Mann der ältesten Schwester meiner Mutter. Ihre Familie war die Familie in der Verwandtschaft, mit der wir den engsten Kontakt hatten, schon in Ostpreußen und auch dann in Bad Salzdetfurth.

Beide, Bruno Neumann und auch seine Frau Ida Neumann, geboren Mattern, 21.12.1897-27.09.1984, waren sehr hilfsbereite und hilfswillige Menschen und ich habe viele gute Erinnerungen an beide.

An Onkel Bruno erinnere ich mich kaum für die Zeit in Ostpreußen, dafür aber um so mehr in Bad Salzdetfurth.

Sein Sohn Georg Neumann, 09.08.1929-26.02.2005, schreibt, "Der Brückenkopf Marienburg ist am 09.03.1945 spät abends geräumt worden. Unmittelbar danach wurden die Brücken gesprengt."

Die Rote Armee wurde also daran gehindert, über die Nogat vorzudringen. Sie überschritt aber die Weichsel weiter flußaufwärts und kam dann vom Westen her auf das Weichseldelta zu.

Für die Wehrmacht war es nun relativ einfach, das Weichseldelta zu verteidigen, sie brauchten nur die restlichen Brücken zu dem Gebiet sprengen.

Die nachfolgende Karte gibt einen Überblick.

 

Weichseldelta

 

Dem Eisenhower seine Karte, Der russische Vormarsch an die Oder, Januar-April 1945, zeigt, daß das Weichseldelta ein "German held pocket" war, also ein deutsches Widerstandsnest.

Die Karte Die Eroberung Deutschlands 1945 - 1. Februar 1945 zeigt, daß vom Delta aus die Sowjets angegriffen wurden, und das bestätigt auch das Fluchttagebuch, daß von Truppenbewegungen in Richtung Osten berichtet. Bis zur Sprengung der Nogatbrücken in Marienburg am 9. März 1945 konnten also von Marienburg noch Angriffe in Richtung Osten unternommen werden.

Die Karte Die Eroberung Deutschlands 1945 - 1. März 1945 zeigt, daß vom Gebiet westlich des Deltas deutsche Angriffe nach Süden gerichtet waren, und das half natürlich auch, die Fluchtwege nach Westen freizuhalten.

Die Karte Die Eroberung Deutschlands 1945 - 15. März 1945 zeigt dann, daß das Delta eingekesselt war, der gesamte Raum zwischen Oder und Weichsel rot geworden war.

Die Karte Die Eroberung Deutschlands 1945 - 1. Mai 1945 zeigt dann, daß das Delta zum Teil immer noch weiß ist. Erst die Karte vom 15. Mai 1945 zeigt dann auch den Rest als rot. Es kann also sein, daß bei der Kapitulation dieser Rest, am 8. Mai noch weiß war und somit den Befehl der Kapitulation erhielt und Onkel Bruno in Gefangenschaft geriet.

Um auf Onkel Bruno zurückzukommen. Am meisten Kontakt hatte ich, als ihm von meiner Mutter der Job gegeben wurde, Vokabeln abzuhören. Ihr Sohn war so schlecht in Englisch, daß da etwas unternommen werden mußte. Und sie glaubte nun, daß das Vokabeln-Lernen die Lösung des Problems sei. Etwas auswendig zu lernen, wurde von mir nicht akzeptiert, aber das behielt ich natürlich für mich und ließ die Prozedur über mich ergehen. Die Erwachsenen sind merkwürdige Wesen. Das ganze Schulsystem kam mir recht verlogen vor, mit all dem Schummeln und Eitelkeiten und was sein und werden wollen.

Und all die Lügen die einem da aufgetischt wurden. Im Religionsunterricht lehrten sie nicht das Wort Gottes, sondern sprachen jahrelang über die Geschichte einer Kirche, die das genaue Gegenteil der wahren Kirche war. Die Kirche, von der sie erzählten, war die, die der Antichrist erfunden hatte, und die die echten Christen verfolgte. Und im Geschichtsunterricht sprachen sie von den Menschen des Altertums, sie seien primitive Steinzeitmenschen gewesen, in Wirklichkeit wahren diese Lehrer selbst primitive Steinzeitmenschen, und die Alten waren hochgeistige und hochgebildete Wesen gewesen, die eine Kultur hatten, die der unseren weit überlegen war. Und in der Biologie wollten sie uns glauben machen, der Mensch stamme vom Affen ab.

Das letzte Jahr in der Schule fing ich sogar an, mich zu langweilen und ich beschloß, einmal zur Abwechselung etwas Vernünftiges zu lernen. Da ich ich die Befreiung von dem Schulbetrieb vor Augen hatte, erwachte mein Wunsch, was richtiges zu lernen, aber so, daß ich das bestimmen würde, was ich mir aneignen würde.

Meine Mutter hatte eine Schreibmaschine, mit der sie den Schreibkram machte und die Rechnungen schrieb und meine Schwestern hatten im Laufe ihrer Ausbildung Schreibmaschinenunterricht erhalten und die Lehrbücher waren noch da.

Ich ging also hin, und brachte mir selbst das Schreibmaschinenschreiben bei, und zwar gründlich, genau so, wie die Bücher das vorgaben. Stundenlange Fingerübungen. Ich konnte dann mit zehn Fingern blind schreiben. Das war im Beruf sehr hilfreich. Mein erstes Buch habe ich direkt in die Maschine geschrieben, und zwar so gut, daß ich möglichst keine Fehler machte, denn bei jedem Fehler mußte man den Fehler mit weißer Farbe übermalen - oder mit Spezialpapier weiß übertippen - und dann warten, bis die hart war, und die ganze Zeit dafür sorgen, daß der Wagen mit der Walze und das Papier sich nicht verschoben, und dann versuchen, den richtigen Buchstaben an die richtige Stelle zu hämmern.

Als ich dann einen Computer hatte, war diese Fähigkeit natürlich recht nützlich, nur das Zehnfingerblindschreiben verlor sich bald, und das Bemühen, recht zu schreiben, denn einen Fehler zu korrigieren, war nun einfach.

 

 

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Anmerkung zum 17.01.1946 Butter

Da gibt es den Eintrag Butter im Fluchttagebuch, Butter die meiner Großmutter zustand:

Ihre Lebensmittelkarten für die Periode vom 7.1. bis 3.2.: 400 g Fleisch, 325 g Butter, 200 g Fett, 500 g Nährmittel, 500 g Marmelade, 500 g Zucker, 125 g Kaffeersatz, Brot zwar reichlich, Fleisch aber nur gerade so viel, als uns Normalverbrauchern zusteht, also 150 g je für die kommenden 2 Wochen, für diese halbe Woche 100 g Fleisch, obwohl Großmama bis zum 3.2. der Selbstversorgesatz von 500 g je Woche zusteht. Nun ja -.

Die Periode vom 7.1. bis 3.2. sind 28 Tage und in diesen 28 Tagen standen meiner Großmutter 325 Gramm Butter zu. Das sind 11,6 Gramm Butter pro Tag.

Ich habe da an meinen Butterverbrauch gedacht, wie der wohl sein mag. Ich habe mir das mal angesehen und kam auf 21,0 Gramm Butter pro Tag.

Bei Fett, Marmelade, Zucker und Kaffeersatz liege ich by Null. Bei Fleisch kaum über Null. Bei Nährmittel weiß ich nicht was das war, vielleicht war das ein Sammelbegriff.

Da gibt es Berichte im Fluchttagebuch über den Kauf von Gemüse und Obst. Ob man das ohne Marken kaufen konnte, weiß ich nicht. Getreide ist ein Obst, Getreidekörner sind Früchte, und somit besteht Brot aus Obst, und Brot war aber anscheinend nur auf Marken zu haben.

Gott hat uns Früchte zur Speise gegeben, 1. Mose 1,29. Gemüse hat Gott den Tieren zur Nahrung gegeben, 1. Mose 1,30. Ich esse also Früchte, kaum Gemüse. Und ich esse Brot, ein Produkt aus Früchten. Und Nüsse, und die sind auch Früchte. Drei Mandeln am Tag. Reis ist eine Frucht.

Und dann trinke ich Milch, so etwa 0,7 Liter je Tag. Und ich esse Honig, was so vielleicht noch edler ist als Obst, so etwa 65 Gramm pro Tag. Ich lebe also im Land, wo Milch und Honig fließen.

Die Zeit, die ich damit verbringe, Nahrung für den Körper zu organisieren, ist gering, verglichen mit der Zeit, die ich verbringe, Nahrung für die Seele zu organisieren, für mich selbst und für andere. Und diese Zeit, in der ich Seelen nähre, benutze ich oft auch noch, auch dem Leib Gutes zuzuführen. So wie bei einem richtigen "Abendmahl" - es ist da, um die Seele mit dem Word Gottes zu versehen. Wir essen den Leib des Herrn und der ist das Wort Gottes, das Fleisch geworden ist, Johannes 1,14.

Die oben erwähnte Periode von 28 Tagen scheint die offizielle "Zuteilungsperiode" gewesen zu sein. Ganz oben auf dieser Webpage wird ein Dokument gezeigt, auf dem zu sehen ist: "b *) vom 4.2.45. auf unbestimmmte Zeit aus der Versorgung mit Lebensmittelkarten abgemeldet." Vom 4.2.45 bis zum 3.2.46 sind es 364 Tage und das sind 13 mal 28 Tage. Diese beiden Einzelheiten an Information stimmen also miteinander überein.

 

 

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Anmerkung zum 01.02.1946 Seubersdorf

Da gibt es den Eintrag Seubersdorf im Fluchttagebuch:

Gehöft und Schmiede von Walters Onkel Preuß in Seubersdorf ist abgebrannt. Er selbst und seine Frau leben, der Onkel schmiedet. Seine Schwiegertochter Grete Preuß, geb. Bahr aus Berling, wurde von den Russen verschleppt.

Dieser Onkel meines Vaters war Rudolf Preuß. Seubersdorf ist ein Nachbarort von Reichau, rechts von Reichau und auch rechts vom Nariensee, noch im Kreis Mohrungen.

Mein Großvater Gottfried Preuß hatte drei Brüder und zwei Schwestern. Die beiden Schwestern wohnten bei ihm. Gottfried war der zweite Sohn meiner Urgroßeltern. Er war Stellmachermeister und dann Gutsbesitzer. Der dritte Sohn, Eduard, war Ober-Gerichtsvollzieher in Bomnau. Der erste, Gustav, war Schmiedemeister in Neuendorf, Kreis Pr. Holland, und der vierte Sohn Rudolf war Schmiedemeister in Seubersdorf, Kreis Mohrungen. Mein Großvater starb 10 Jahre bevor ich geboren wurde. Onkel Rudolf wurde 13 Jahre nach meinem Großvater geboren und starb, als er 90 Jahre alt war. Er war eigentlich der einzige, den ich von dieser Generation kennengelernt habe, außer meiner Großmutter mütterlicherseits.

Er lebte nach dem Krieg mit seiner Frau Minchen und seinem Sohn Kurt, und dessen Frau Grete und deren Tochter Brunhilde, in Sarstedt, südlich von Hannover. Ich habe sie alle gekannt. Onkel Kurt war Fahrlehrer und hatte eine Fahrschule, und sie kamen uns manchmal mit seinem Mercedes in Bad Salzdetfurth besuchen. Ich erinnere mich gut wie dieser Onkel Rudolf, groß und stark gebaut, wie ein richtiger Schmiedemeister, mit dunklem, dreiteiligem Anzug am Skattisch saß und Skat spielte und eine Zigarre rauchte und wie er die Asche der Zigarre auf seine Weste fallen ließ und sich nicht darum kümmerte. Ein beeindruckender Anblick. Onkel Rudolf starb am 13.03.1966, und seine Witwe, Tante Minchen, habe ich noch nach seinem Tod mit meiner Mutter im Altersheim besucht.

Onkel Rudolfs Schwiegertochter Grete kannte ich also auch, und sie ist also aus Rußland zurückgekehrt. Sie war ein Jahr in Sibirien.

Nun folgt ein Bild auf dem Onkel Rudolf Preuß ist.

RudolfPreuss

Rudolf Preuss 1959 in Bad Salzdetfurth

Von links

1 Walter Preuß
2 Rudolf Preuß
3 Minchen Preuß
4 Lina Preuß

 

 

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Anmerkung zum 01.02.1946 (2) Reinhold

Da gibt es etliche Einzelheiten die von Reinhold Weiß kommen. Mein Onkel Reinhold kam aus Reichau und Reichau lag östlich vom Nariensee. Die Orte, die da erwähnt werden, sind alles Orte die östlich und nord-östlich und süd-östlich vom Nariensee sind.

Keiner dieser Orte ist aber östlich des Passarge-Flußes. Die Passarge war wahrscheinlich so etwas wie eine kulturelle Grenze. Östlich der Passarge war das Ermland, und das kam in einem spätem Stadium zu Preußen und blieb wahrscheinlich ein irgendwie entferntes Gebiet.

Am 01.02.1946 wird Grete Preuß erwähnt und daß sie eine geborene Bahr aus Berling ist. Da gibt es auf der Karte ein Bergling, nord-östlich von Reichau und nördlich von Seubersdorf. Ich nehme an, daß es sich da um den selben Ort handelt.

Am 9.02.1946 kommt im Flucht-Tagebuch das Wort Bergling vor, mit einem g geschrieben.

Das Flucht-Tagebuch sagt am 29.01.1946 daß Reinhold Weiß am 28.01.1946 in Wrisbergholzen ankam. Und am 1.02.1946 heißt es, daß der Sohn von Frau Lange aus Klein Luzainen am 3.11. mit rausgekommen ist. Dies läßt darauf schließen, daß auch Reinhold Weiß am 3.11. rauskam.

Am 13.01.1946 berichtet das Flucht-Tagebuch, daß die aus Sonnenborn am 7. November von Sonnenborn wegfuhren, ausgewiesen wurden, von den Polen rausgeschmissen worden sind, und die aus Winkenhagen 3 Tage vorher.

Die Vertreibung in diesen Fällen war also Anfang November 1945.

Und das wiederum deutet an, daß die Vertreibung der Polen selbst, aus dem Osten Polens in den Osten Deutschland, schon vorher stattgefunden hatte.

Das Flucht-Tagebuch hat am 9.02.1946: "Die Polen kamen Mitte Juli nach Reichau!"

Die Berichte des Onkel Reinhold gingen in viele Einzelheiten und die waren teilweise so grausam, daß das Flucht-Tagebuch sie auch nicht annähernd wiedergibt.

Der 1. Februar 1946 war also der Tag an dem mein Vater von seinem Schwager erfuhr, was solchen Leuten passiert, an denen er sich rächen wollte, es aber nicht tat.

Und ich erhielt den wichtigsten Geschichtsunterricht meines Lebens, sogar bevor ich mit der Schule anfing.

Was für ein Tag.

Da war meine Großmutter; 74 Jahre alt, haargenau. Ihre jüngste Tochter, die gesamte Familie, all drei. Ihre älteste Tochter, mit ihrer gesamten Familie, all drei. Ihre zweite Tochter, mit drei ihrer vier Kinder. Ihre dritte Tochter, mit der gesamten Familie, alle fünf. Ihr jüngster Sohn. Der Mann ihrer vierten Tochter, mit einer der zwei Töchter. Ihre fünfte Tochter.

Und nun wurde das Leben gemustert. Sie hatten überlebt. Die meisten unverletzt.

Und das Leben ihrer Feinde wurde gemustert. Eine Tragödie.

 

 

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Anmerkung zum 10.11.1946 Kindergottesdienst

Da gibt es den Eintrag Kindergottesdienst im Fluchttagebuch:

Wie allsonntäglich, so auch heute Walter, Ellinor und ich zur Kirche. Irene und Frank-Leopold um 2 Uhr zum Kindergottesdienst.

Dieser Kindergottesdienst war hoch interessant.

Da wurde mal zur Abwechselung was wirklich interessantes gebracht.

Die sprachen da über geistige Dinge, über Dinge, über die sonst keiner sprach.

Sogar in der Kirche wurde nicht wirklich über geistige Dinge gesprochen, sondern eigentlich nur in diesem Kindergottesdienst.

Auch diese Damen, die da das Sagen hatten, schienen die einzigen zu sein, die geistig lebendig waren.

Ich hatte aber ein theologisches Problem. Die sagten, daß Gott keine anderen Götter neben sich hat, aber dann erzählten sie von Jesus Christus als sei er so etwas wie Gott. Das schien sich zu widersprechen.

Und anstatt diesen scheinbaren Widerspruch zu erklären und aufzuklären, erzählten sie uns, zumindest der Prediger und das sogenannte Glaubensbekenntnis, etwas von der Dreieinigkeit Gottes.

Die hatten da sogar einen Dritten, den Herrn, den Heiligen Geist.

Ich habe dann das aufgegeben, die Theologie, die Theologie studiert hatten, schienen alle geistig tot zu sein, und eine nicht geringe Anzahl von denen konnten eigentlich nur Kommunismus richtig propagieren.

Ich sah also keinen Weg, geistig voranzukommen, und da ich Krieg nicht mochte, und was dagegen unternehmen wollte, sah ich nur den Weg der Politik.

Es hat recht lange gedauert, bis ich wieder Interesse an geistigen Dingen hatte, und das kam daher, daß ich herausfand, daß vor tausenden Jahren Propheten das Wiederentstehen des Staates Israel vorausgesagt hatten, und das war dann tatsächlich passiert und sogar zu meiner Lebenszeit, nachdem seit etwa zweitausend Jahren nichts dergleichen passiert war.

Den Zugang zu geistigen Dingen schuf also die Bibel, und nicht diese sogenannten Theologen, die hatten keine Ahnung.

Die Bibel war also der Zugang. Gott zu studieren war der Zugang, nicht Theologie studieren.

Da habe ich die Sache erst einmal richtig untersucht.

Eine der vielen Sachen, die ich mir angeschafft hatte, war eine vollständige Konkordanz. Das war eine englische, die von Strong. Und da die vollständig war, konnte man mit der auf eine einfache Weise herausfinden, ob ein Wort überhaupt in der Bibel war.

Und dieses Wort der Theologen, das Wort Dreieinigkeit, Trinity, war da nicht drin. Die hatten also wieder einmal, wie so viele Erwachsene, mir etwas vorgelogen.

Und dann nach langer Zeit, stieß ich auf die Botschaften von Bertha Dudde, und die erklärten das alles ganz einfach: Gott stieg im Menschen Jesus zur Erde nieder, B.D. NR. 3252. Das hatten aber diese Theologen mir nicht erzählt, daß Gott dauernd zu uns Menschen spricht. Es stellte sich also heraus, daß diese sogenannten Theologen einfach das genaue Gegenteil von dem sind, was sie vorgeben zu sein. Sie und ihre selbstgestrickten Kirchen sind die Erfindung des Antichristen, um uns mit viel Theologie und Verdrehungen von Gott fernzuhalten.

 

 

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